Vorwort
Lieber Buchheimerinnen und Buchheimer!
Aber nicht nur die, sondern auch die an Buchheimer interessierten, wie Lehrer*innen, Erzieher*innen und andere Berufstätige. Nicht zu vergessen die Schüler*innen und alle anderen die über
Buchheim etwas wissen wollen.
Erich Kästner hat in seinem Buch „Als ich ein kleiner Junge war“ geschrieben: „Kein Buch ohne Vorwort“. In unserer 2018 herausgebrachten Broschüre brauchten wir keins. Jedoch jetzt haben wir ein Buch. Die Geschichtswerkstatt Buchheim bedankt sich rechtherzlich für die positiven Rückmeldungen. Dies war ein Ansporn weitere Stücke aus der Buchheimer Geschichte ans Tageslicht zubringen. Wir hoffen, dass wir dies mit der vorliegenden Ausgabe erreicht haben. Weiter schreibt Kästner, dass sein Vater noch „Brod“ und „Thür“, statt „Brot“ und „Tür“ geschrieben hat. Das war damals richtig. Allerdings hatte ich im ersten Schuljahr auch Brod geschrieben, wie man es spricht. Nach dem man mir die Hilfestellung gab, bei Brot die Mehrzahl zu bilden, habe ich den Fehler nicht mehr gemacht. Allerdings geben die alten Schreibweisen bei der Nachforschung auch immer Schwierigkeiten. Andere Schreibarten und Sprachen und jeder hat seine eigene Handschrift. Bei alten Texten, die zitiert werden, haben wir die alte Rechtschreibung oft beibehalten.
Nach dem Spruch: „Eichen sollt du weichen – Buchen sollst du suchen“ hat die Geschichtswerkstatt eine „Suchanfrage“ an die Bezirksvertretung Mülheim gestellt. In der Antwort wurde mitgeteilt, dass nur noch an der Stadtbahnstrecke nach Holweide einzelne Buchen wachsen. Einige Buchheimer können sich noch daran erinnern, als 1964 die Schonung angelegt wurde, wo vorher Kleingärten und Felder bestanden haben.
Ein Dankeschön an Alle, die durch Informationen, die wir in den Berichten verarbeiten konnten, die sich an der Umfrage beteiligt und Spenden oder sonst wie geholfen haben.
Selbstverständlich danken wir auch den finanziellen Unterstützern, die auf der letzten Umschlagseite genannt sind.
Und jetzt viel Vergnügen beim Lesen. – Los jon.
Günter Pröhl für die
Geschichtswerkstatt Buchheim Anno Domimi 2020
Anmerkungen
Hier werden die Seiten veröffentlicht, die ich bearbeitet habe. Hierdruch soll auch die Möglichkeit gegeben werden, wenn keine Druckausgaben mehr vorhanden sind , die Texte zu lesen.
Außerdem ist vorgesehen, wenn auf Grund neuerer Erkenntnisse Texte geändert werden müssen, die Änderungen auch vorzunehmen. Dies wird dann im Text mit [eckigen Klammen] vermerkt.
Jeder Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt Buchheim ist für seinen Text verantrwortlicht.
Inhaltsverzeichnis (Auszüge)
Vorwort
[Nicht von mir verfasste Beiträge sind mit dem Kürzel des Autors gekennzeichnet.]
Buchheim im Mittelalter (CE)
- Der Buchheimer Hof vom Ende des 18. bis in das 20. Jahrhundert
Buchheimer Mühle
Buchheim im 19. Jahrhundert (GT)
Buchheim in der Zeit der Weimarer Republik (GT)
Buchheim zur Zeit des Nationalsozialismus (GT)
- Evangelische Christen in Buchheim
Die Anfänge
Evangelisches Zentrum mit Schule, Kirche und Kindergarten
Jugendhaus Treffer
- Straßennamen in Buchheim beschlossen durch den Rat der Stadt Mülheim am Rhein von 1895 bis zur Eingemeindung 1914
- Groß – Buchheim
- Sankt Hubertus Schützengilde Köln – Buchheim e. V. Bruderschaft Köln – Mülheim 1895 Köln – Buchheim 1926
- Fußball Club Germania 1911 Köln – Mülheim e. V.
- Sparkasse in Mülheim am Rhein – Buchheim
- Erlebnisse nach 1956 in Kölln – Buchheim
- Zusatzbroschüre - Die Buchheimer Kirmes (HJK)
Buchheim im Mittelalter
Steht man im Ortszentrum des heutigen Buchheims, also jenem kleinen Abschnitt der
Frankfurter Straße zwischen den Abzweigen der heutigen Heidelberger Straße und der Alten Wipperfürther Straße, so will man kaum glauben, dass hier einmal inmitten von Feldern das kleine Dorf
Buchheim mit dem Buchheimer Hof gelegen haben soll, die beide auf eine weit über 1000jährige Geschichte zurückblicken. Eine mächtige Eisenbahntrasse, eine stark befahrene Bundesstraße, eine
ausgedehnte Kunststofffabrik, ein regionaler Autohausbetrieb, Geschäfte und mehrgeschossige Wohnhäuser, zumeist Zeugen einer einfallslosen Zweckarchitektur von der
Nachkriegszeit bis in unsere Tage, bestimmen das nicht sehr einladende Bild des heutigen Ortes.
Nur ein im Schatten einer mächtigen Edelkastanie stehendes Steinkreuz aus dem Jahre 1807 ist ein einsamer Zeuge vergangener Zeiten, der in dieser verkehrstechnischen und architektonischen „Wüste“
wie ein Fremdkörper erscheint.
Doch Buchheim hat auch ein anderes Gesicht; wenn man zu Fuß von dem oben erwähnten Steinkreuz – dem sogenannten Buchheimer Kreuz – entlang der Strunde nach Osten schreitet und einen kleinen,
dichten Wald durchquert, öffnet sich die Landschaft plötzlich und gibt den Blick frei auf eine weitläufige Acker- und Wiesenfläche, die schon im Mittelalter als „Paradies“ bezeichnet wurde. Steht
man hier und blickt im Sonnenuntergang nach Westen auf den steilen Turmhelm von
St. Mauritius oder nach Osten auf die ruhige und leicht hügelige Landschaft mit dem in einem reichen und alten Baumbestand liegenden Haus Herl, so kann man noch ein wenig erahnen von dem Reiz des
alten landwirtschaftlich geprägten Buchheims.
Nur hier, in diesem Rest einer alten Kulturlandschaft stehend, kann man überhaupt noch ansatzweise nachvollziehen, dass unser Buchheim tatsächlich einmal ein
begehrter „Erholungsort“ für die geplagte
Stadtbevölkerung von Köln gewesen ist, die hier sogar „Lusthäuser“ unterhielt. So schreibt Hermann von Weinsberg in seinem „Tagebuch“ im Mai 1568: „Am 17 mai zouch sin hausfrawe zu Boichem uff
ihres eidoms doctor Glasers churs. Colnischen rhaidtze lusthauß, dar moist ich mit zu ir komen..und sunst hat er gutte tage bei disser“. Dieses „Lusthaus“ des
Kurkölnischen Rates Doktor Glaser lag übrigens nach Ausweis einer Urkunde vom 25. April 1596 in erhöhter Lage neben einem Haus des Domküsters im Osten Buchheims am Merheimer Weg, der von Herl
nach Merheim führte (siehe Abb. 9) [1].
Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Strunde und das „Paradies“, der damals ähnlich dem heutigen gewesen sein dürfte (Abb. 1). In diesem Landschaftsraum zwischen Straße, Wald, Acker und
Wiese entwickelte sich spätestens seit dem frühen Mittelalter als Zentrum einer ausgedehnten Grundherrschaft ein Dorf von regionaler Bedeutung, dessen Keimzelle der ehemalige Buchheimer Hof
war. Seine und des Dorfes Geschichte im Mittelalter sind Thema des vorliegenden Beitrages.
Für eine Rekonstruktion der mittelalterlichen Geschichte Buchheims liegen seit dem Anfang des
12. Jahrhunderts vermehrt schriftliche Quellen vor. Es sind Urkunden über Stiftungen, Grundstücksübertragungen, Lehensbriefe, Rechtstexte und andere Quellengattungen in lateinischer und deutscher
Sprache, die sich in den Archiven verschiedener geistlicher Institutionen (Domstift, Abtei Deutz, Abtei Altenberg, Kloster Dünnwald etc.) erhalten haben. Sie vermitteln schlaglichtartige
Einblicke in die Geschichte und Lebenswelt Buchheims. Sie übermitteln dem Leser die Namen
von Menschen, Höfen und Landschaften sowie damit verbundenen Taten und Geschehnissen in loser Folge. Man kann anhand dieser im Verlauf der Jahrhunderte immer dichter werdenden Quellen dennoch
nicht erwarten, dass im Folgenden selbst auch nur die Grundzüge einer Geschichte Buchheims im Mittelalter vorgelegt werden könnte.
Dies kann nicht unsere Aufgabe sein, sondern muss von Historikern, Archivaren und Archäologen geleistet werden. Tatsächlich ist man, wenn man sich näher mit der reichen und auch ussagekräftigen
Quellenlage beschäftigt, erstaunt, wie stiefmütterlich die Entwicklung dieses Gemeinwesens bis heute in der Geschichtswissenschaft behandelt worden ist. Es gibt bislang nicht einmal in Ansätzen
eine zusammenfassende Darstellung, weder von Buchheim noch von der
Stadt Mülheim am Rhein im Mittelalter und frühen Neuzeit.
Der Wunsch Johann Bendels, des Pioniers der Geschichtsschreibung Mülheims, aus dem Jahre 1913, dass sich die Wissenschaft intensiver mit der reichen mittelalterlichen Geschichte Mülheims und
Buchheims auseinandersetze, hat sich nach über 100 Jahren nicht erfüllt [2].
Deutlich schwieriger ist die Beschäftigung mit der Geschichte Buchheims vor dem 12. Jahrhundert. Als Buchheim erstmals im Jahre 1110 in einer Stiftungsurkunde erwähnt wurde, hatte es schon
Jahrhunderte vorher bestanden. Für eine Rekonstruktion seiner Geschichte muss man folglich auf andere Quellengattungen zurückgreifen. Es sind dies vornehmlich die nicht allzu reichlichen
archäologischen Funde aus wissenschaftlichen Ausgrabungen. Trotz ihres offensichtlich hohen Alters
sind Buchheim und Mülheim aber auch von der Archäologie und Bodendenkmalpflege bis in unsere Tage kaum beachtet worden. Heute ist dadurch so manches Bodendenkmal durch rezente Überbauung, wie zum
Beispiel die Wasserburg des alten Buchheimer Hofes, unwiederbringlich für die Forschung verloren. Die mengenmäßig größte archäologische Fundgruppe, die für Buchheim
vorliegt, sind Scherben von tönernen Gefäßen. In den letzten Jahren gelang es dem Verfasser unter Mithilfe seiner Tochter mehrere tausend Scherben in Buchheim und dem Gebiet der ehemaligen
Buchheimer Grundherrschaft aufzulesen. Es handelt sich dabei um Scherben, die zeitlich von der römischen Kaiserzeit bis in das 19. Jahrhundert reichen. Diese zum Teil sehr stark zerscherbten
Gefäßbruchstücke sind trotz ihrer verhältnismäßig geringen Zahl eine wichtige historische Quelle für die Erforschung der frühen Geschichte Buchheims, die ausgewertet werden kann.
Scherben finden sich heute im gesamten Ortsgebiet von Buchheim, in Baustellen, Gärten, Waldflächen und heutigen Ackerflächen. Doch wie kamen die Scherben eigentlich dahin, wo man sie heute noch
finden kann?
Bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren große Teile Buchheims, die heute überbaut sind, Acker und Weideflächen, die auf eine Jahrhunderte lange Tradition und Bewirtschaftung
zurückblickten. Trotz der gewaltigen Umformung der Landschaft durch Bebauung und Auskoffern für die Ziegelproduktion sind noch immer Teile der ehemaligen Kulturlandschaft erhalten. So konnte zum
Beispiel,
während des Baus des Schulgebäudes am Arnsberger Platz, eine größere Anzahl mittelalterlicher Scherben im Bauaushub aufgesammelt werden. Das von uns geborgene Scherbenmaterial ist nur selten als
direkter Siedlungsschutt (zum Beispiel aus Abfallgruben) anzusprechen, sondern gehört zu dem, was man heute in der Archäologie einen „Scherbenschleier“ nennt [3]. Ein solcher „Scherbenschleier“
bezeichnet das großräumige Aufkommen einzelner Keramik ohne direkte
Fundkonzentration auf Acker- und Gartenflächen. Die Scherben kamen als Folge eines veränderten Abfallverhaltens auf die landwirtschaftlichen Nutzböden. Durch eine im Rheinland seit dem
8.-9. Jahrhundert belegte zunehmend saisonale Stallhaltung des Viehs wuchsen im Bereich der Höfe die Misthaufen. Auf diese Misthaufen gelangte auch der Hausmüll, der aus organischen Abfällen und
aus Resten zerbrochener Gefäße und anderen Hausrats bestand. Durch die jährlich zweimalige Ausbringung des Mistes auf die Felder, in Buchheim seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ausdrücklich
vorgeschrieben, gelangten mit dem Mist auch die Scherben auf die Felder. Durch diese Intensivierung der Mistdüngung landeten also jedes Jahr zahllose zerbrochene Gefäße zusammen mit dem Dung auf
den Äckern von Buchheim. Diese Mistdüngung beschränkte sich dabei ausschließlich auf Ackerund Gartenflächen. Viehweiden und Heuwiesen, die für das Winterfutter des Viehs benötigt wurden, sind
nachweislich nicht gedüngt worden. Ein solches Vorgehen lässt sich in Buchheim über tausend Jahre vom 8./9. bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts belegen.
Diesen „Scherbenschleier“ kann man aber nicht nur chronologisch, sondern auch als einen Indikator für veränderte oder gesteigerte Landnutzungsstrategien auswerten.
Finden wir zum Beispiel an den verschiedensten Stellen in Buchheim auffallend zahlreich Scherben des 8./9. Jahrhunderts, so können wir nicht nur darauf schließen, dass in dieser Zeit
gesichert Ackerbau in Buchheim getrieben wurde, sondern dass es sich gleichsam auch um eine Phase der landwirtschaftlichen Intensivierung gehandelt haben muss, in der große Flächen dem Feldanbau
dienten. Finden sich in der darauffolgenden Phase des 10./11. Jahrhunderts hingegen deutlich weniger Scherben, könnte dies ein Hinweis auf eine zu dieser Zeit rückläufige
landwirtschaftliche
Produktivität sein. Dieser Rückgang muss nicht zwangsläufig mit einer wirtschaftlichen Krise verbunden gewesen sein, sondern ist möglicherweise Ergebnis einer sich ändernden Landwirtschaft, in
der verstärkt auf eine Viehwirtschaft gesetzt wurde und ehemalige Ackerflächen wieder zu Viehweiden umgenutzt wurden.
Die naturräumlichen Voraussetzungen – Der Rhein und der Wald
Das heutige Ortsgebiet von Buchheim liegt auf der rechtsrheinischen Niederterrasse des Rheins, die man auch als „Mülheim-Porzer Niederterrasse“ bezeichnet. Sie entstand vor ca. 30 Millionen
Jahren, als Teile des Rheintales absanken. In dieser Niederungsbucht hat der Rhein in der letzten Eiszeit durch Abtragung und Aufschüttung von Geröll und Sand ein unebenes Oberflächenrelief
geschaffen, das heute noch gut zu erkennen ist.
Die vom Rhein in einem fortwährenden Prozess immer wieder veränderte Oberfläche zwang den Fluss auch dazu, sein Bett immer wieder zu ändern und sich neue Nebenarme zu suchen. So ziehen sich
zwischen Höhenberg, Merheim und Buchheim mehrere solcher Rinnen (Abb.2) ehemaliger Rheinbetten teilweise heute noch gut erkennbar von Süden nach Norden hin.
In der Folge entstand so im Wechsel von kiesigen Flächen und Gebieten ausgedehnten Auenlehms ein fruchtbarer Boden. In den Gebieten, in denen kleine Bäche der Mittelterrasse – wie der Flehbach –
diese ehemaligen Rheinarme immer wieder mit Wasser füllen konnten, entstanden größere sumpfige Flächen, wie das Buchheim benachbarte „Merheimer Bruch“ oder das „Linder Bruch“ bei Porz [4]. Nach
der letzten Eiszeit, als es allmählich wieder wärmer wurde, bildete sich auf den nicht
versumpften Flächen der Niederterrasse ein ausgedehnter Laubmischwald heraus. [5]
Beherrschend waren nach pollenanalytischen Untersuchungen mächtige Eichen und in etwas geringerer Anzahl Buchen und Hasel sowie vereinzelt Ulmen, Eschen und in den Feuchtgebieten zunehmend
Birken6. Dieser urtümliche Wald, der die rechtsrheinische Niederterrasse großflächig bedeckte, ist heute nahezu vollständig verschwunden. Lediglich im nahe gelegenen „Gremberger Wäldchen“ hat
sich ein kleiner Rest dieses Eichenmischwaldes bis auf unsere Tage erhalten. Hier stehen noch heute 200-300 Jahre alte Eichen im Wechsel mit ebenso alten Rotbuchen. Ein
Besuch dort vermittelt einen Eindruck davon, „wie es einmal aussah und gewesen ist“ im Bereich des heutigen Buchheims.
In römischer Zeit wurde mit ersten Rodungen des einst zusammenhängenden Waldgebietes begonnen und in den so entstandenen „Rodungsinseln“ wurden Siedlungen mit ausgedehnten landwirtschaftlich
genutzten Flächen gegründet.
Zeugnisse hierfür sind die römisch-kaiserzeitlichen Siedlungen in Holweide und Schweinheim aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Diese Rodungstätigkeit wurde nach einer Unterbrechung aufgrund der
politischen Wirren im 4. und 5. Jahrhundert seit dem 6./7. Jahrhundert mit der Gründung weiterer Siedlungen erheblich intensiviert.
Zeugnis für diese nun stetige Aufsiedlung der Niederterrasse ist ein 1950 in Langel aufgedecktes fränkisches Gräberfeld des 6.-7. Jahrhunderts [7]. Frühe Streufunde dieser Zeit sind aus Zündorf
bekannt, und in Porz-Grengel konnte im Jahre 1974 eine kleinere Siedlung des 6.-8. Jahrhunderts ergraben werden [8] . Die ausgegrabenen vier Grubenhäuser lagen in erhöhter Position auf einer
Sanddüne des Rheins und erbrachten ein reiches keramisches Fundmaterial. Aus der gleichen Zeit stammt ein kleines fränkisches Reihengräberfeld in der Urbacher Senke an der alten Urbacher
Kirche [9]. Die Beigaben bestanden aus Keramik, Waffen, Gläsern und Schmuck. Ein
Zusammenhang des kleinen Friedhofs mit der ca. 750 Meter entfernten Siedlung in Grengel ist aber fraglich. Möglicherweise gab es in Urbach eine weitere Siedlung oder einen Gutshof.
Bedeutende Funde konnten in Poll in der Umgebung des späteren Rolshover Hofes zwischen den Jahren 1933 und 1937 gemacht werden10. Dort konnte ein Friedhof mit über 100 Bestattungen aus der Zeit
des 7.-8.-(10.) Jahrhunderts aufgedeckt werden, wobei mehr als die Hälfte der Gräber beigabenlos war. Bei
diesen Bestatteten dürfte es sich also in der Mehrzahl schon um Christen gehandelt haben. In den anderen Gräbern fanden sich zum Teil bemerkenswerte Grabbeigaben in Form von Schmuck, Gefäßen und
Waffen. Dieser Friedhof stand offensichtlich in Zusammenhang mit einem an den Friedhof anschließenden Gutshof des 8.-10. Jahrhunderts, von dessen Einfassung ein Grabenabschnitt und der Rest einer
dahinter geschalteten hölzernen Palisade festgestellt werden konnte. Darüber hinaus konnten ein Grubenhaus (2,40 x 3,70 Meter) der inneren Hofbebauung und Reste weiterer aus Holz errichteter
Bauten beobachtet werden. Es dürfte sich bei diesem Gutshof um die in einer Schenkungsurkunde des Erzbischofs Bruno an die Benediktinerabtei St. Pantaleon zwischen 953-965 erwähnte villa
Rulishoue handeln, die im Hochmittelalter über ausgedehnte Ländereien und ein eigenes Hofgericht verfügte. [11]
Vereinzelte signifikante Befunde aus Heumar und Merheim zeigen, dass sich die fränkische Besiedlung nicht auf den ufernahen Bereich der Niederterrasse beschränkte, sondern sich auch nach Osten in
das Landesinnere fortsetzte. [12] So sind in Heumar große Bruchstücke von Badorfer Reliefbandamphoren des 8.-10. Jahrhunderts aufgedeckt worden. Aus der Rüdigerstraße in Merheim sind
Grabfunde des 6./7. Jahrhunderts bekannt, und die Grabungen des Römisch-Germanischen
Museums aus Köln in den Jahren 1977-1978 erbrachten im Bereich der ältesten erhaltenen Merheimer Kirche (wohl 10./11. Jahrhundert) in sekundärer Verwendung die Fragmente zweier Stangenkreuze des
7./8. Jahrhunderts, die ursprünglich als Grabsteine dienten. Doch reicht auch die Geschichte des nahegelegenen Buchheims bis in das Frühmittelalter zurück? Gibt es etwa Anhaltspunkte für eine
frühe Besiedlung während des Endes der Völkerwanderungszeit?
Der „Buconische Wald“ des Gregor von Tours
In der fach- und heimatkundlichen Literatur zur Geschichte des Rheinlandes in der
Völkerwanderungszeit ist immer wieder eine Passage aus den Historien des Gregor
von Tours (538-594) zitiert oder besprochen worden. In ihr wird berichtet, dass der
salfränkische König Chlodwig, den Chloderich, Sohn des rheinfränkischen Königs
Sigibert, zum Mord an seinem Vaters anstiftete, um ihm schließlich später dasselbe
Schicksal zu bereiten. Laut Gregor von Tours fand diese gräuliche Tat im Rahmen
eines Ausfluges gegenüber der Stadt Colonia in einem rechtsrheinischen Waldgebiet
statt, das von dem fränkischen Historiographen als Buconi silva bezeichnet wird.
Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in heimatkundlichen Abhandlungen
über den heutigen rechtsrheinischen Kölner Raum das mörderische Geschehen in das
Gebiet von Buchheim verlagert, das sich in der Folge rühmte, Ort des schändlichen
Verbrechens zu sein. So vermerkte zum Beispiel das Landratsamt Mülheim am Rhein
in einer statistischen Erhebung aus dem Jahre 1841: „Bei Buchheim wird die Stätte
bezeichnet, wo der in Köln residierende Franken-König Sigebert auf der Jagd, und
zwar auf Anstiften Chlodowigs, von seinem eigenen Sohn erschlagen wurde“ [13].
In fachkundlichen Beiträgen hingegen wurde vermehrt die Historizität des Berichtes
von Gregor von Tours angezweifelt. Darüber hinaus wurde von weniger strengen
Kritikern in Erwägung gezogen, dass mit Colonia nicht zwangsläufig Köln, sondern
auch eine andere römische Stadt (z.B. Mainz oder Xanten) gemeint sein könnte,
handelte es sich bei Colonia doch nur um eine römische Rangbezeichnung und nicht
um den Eigennamen einer Stadt [14]. Darüber hinaus wird heute von manchen Gelehrten
angenommen, dass die Buconi silva nicht ein der Stadt Köln gegenüberliegendes
Waldgebiet war, sondern identisch ist mit der seit dem 8.-10. Jahrhundert häufig
belegten Boconi silva in Osthessen (Rhön und Vogelsberg) [15]. Andere Wissenschaftler
hingegen führten ins Feld, dass mit Buconi silva möglicherweise gar kein bestimmter
Ort, sondern nur „irgendein Buchenwald“ gemeint sein sollte. [16]
Aufgrund dieser verschiedenen vorgetragenen Ansätze, Meinungen und
Lokalisierungsvorschläge empfiehlt es sich, im Folgenden den ersten Teil der
Textpassage etwas näher zu untersuchen und auf seine historische Tragfähigkeit hin zu prüfen. [17]
Gregorius episcopus Turonensis: Libri historiarum II, Kap. 40
Cum autem Chlodovechus rex apud Parisius moraretur, misit clam ad filium
Sigyberthi, dicens: „Ecce! pater tuus senuit et pede dibile claudicat. Si illi inquid,
moreretur, recte tibi cum amicitia nostra regnum illius reddebatur. Qua ille
cupiditate seductus, patrem molitur occidere. Cumque ille egressus de Colonia
civitate, transacto Rheno, per Buconiam silvam ambulare disponeret, meridiae in
tenturia sua obdormiens, inmissis super eum filius percussoribus eum ibidem
interfecit, tamquam regnum illius possesurus.
„Als jedoch der König Chlodwig sich bei Paris aufhielt, schickte er heimlich zum
Sohn des Sigibert (ihm) mitteilend: Siehe! Dein Vater ist alt und er hinkt mit einem
gelähmten Bein. Wenn er sterben würde, dann würde dir mit Fug und Recht mit
unserem „Freundschaftsbündnis“ (amicitia) sein Reich zuteil werden“. So wurde
jener zur Herrschsucht verlockt und sann darauf, wie er den Vater tötete. Einst
beabsichtigte jener (Sigibert), nachdem er die Stadt Colonia (Colonia civitate)
verlassen und den Rhein überquert hatte, durch den Buconischen Wald (Buconiam
silvam) zu streifen, während er aber zur Mittagszeit in seinem Zelt schlief, tötete der
Sohn ihn dort, nachdem die Mörder über ihn gekommen waren, (und) er riss sogleich
dessen Reich an sich“.
So der kurze Bericht des Historiographen über diesen Vatermord, der nach ihm zum
Ende des Reiches der ripuarischen Franken führen sollte. Es ist hinlänglich bekannt,
dass Gregor seine Berichte weniger als klassische Geschichtswerke im heutigen
Sinne verfasste, sondern sie vielmehr auf hohem literarischem Niveau einer
„heilsgeschichtlichen Intention“ verpflichtet waren. Sie sind durchzogen von
Wundern, göttlichen Strafen und Belohnungen. In diesem Sinne wird auch der
spätere Mord an Chloderich durch die Gefolgsleute des Chlodwig als umgehende
Strafe Gottes für dessen Vatermord interpretiert und fast sagenhaft ausgestaltet. Es
steht aber wohl außer Frage, dass die gesamte Erzählung einen historischen Kern in
sich trägt, der ausgewertet werden kann.
Tatsächlich wird die Mordgeschichte von Gregor mit der Nennung zahlreicher
Ortsnamen bewusst in einen festumrissenen geographischen Kontext eingebunden,
der den Lesern seiner Zeit wohlbekannt war. So wird eingangs erwähnt, dass
Chlodwig sich in der Nähe von Paris aufhält und über Geheimboten Kontakt zu
Chloderich aufnimmt. Die Erwähnung von Paris ist darüber hinaus ein bewusst von
Gregor gesetzter chronologischer Hinweis, da Chlodwig erst nach seinem Sieg über
die Westgoten im Jahre 506 Paris zu seinem Regierungssitz (sedes) erhob.
Ortsnamen bewusst in einen festumrissenen geographischen Kontext eingebunden,
der den Lesern seiner Zeit wohlbekannt war. So wird eingangs erwähnt, dass
Chlodwig sich in der Nähe von Paris aufhält und über Geheimboten Kontakt zu
Chloderich aufnimmt. Die Erwähnung von Paris ist darüber hinaus ein bewusst von
Gregor gesetzter chronologischer Hinweis, da Chlodwig erst nach seinem Sieg über
die Westgoten im Jahre 506 Paris zu seinem Regierungssitz (sedes) erhob.
In seiner geheim überbrachten Botschaft erwähnt Chlodwig eingangs, dass Sigibert
alt ist und mit seinem lahmen Bein nur noch hinken kann. Diese Verletzung hatte sich
Sigibert in der Schlacht bei Zülpich 496/497 zugezogen, als er mit Chlodwig
zusammen gegen die Alemannen kämpfte. So heißt es bei Gregor, Historiae II, Kap.
37: Hic Sygiberthus pugnans contra Alamannos apud Tulbiacensim oppidum
percussus in genuculum claudicabat („Dieser Sigibert hinkte, nachdem eine
Kniekehle – während er gegen die Alemannen bei dem oppidum Zülpich kämpfte –
durchbohrt wurde“)18. Diese schwerwiegende Verletzung führte dazu, dass Sigibert,
als „Sigibert, der Lahme“ (Sygiberthus claudus) in die Überlieferung einging.
Folglich konnte Sigibert seit der Schlacht von Zülpich die Rheinfranken nicht mehr
selber militärisch anführen und war nach alter germanischer Sitte als König nicht
länger tragbar. Dementsprechend musste sein Sohn Chloderich die militärische
Führung der Rheinfranken übernehmen, und so kämpfte er an der Spitze von deren
Kontingenten zusammen mit Chlodwig gegen die Westgoten im Jahre 506 (Gergor,
Historiae II, Kap. 37, Fredegar Chronik III, Kap. 25). Auf diesen gemeinsamen
Waffengang spielt ganz offensichtlich das in der Botschaft Chlodwigs erwähnte
amicitia-Bündnis zwischen den beiden Machthabern an [19].
Im Folgenden beschreibt Gregor den Vatermord, der auch hier wieder geographisch
genau verortet wird. So berichtet Gregor, dass Sigibert eines Tages von der Colonia
civitate aus zu einem Ausflug aufbricht. Mit dieser Colonia ist zweifelsohne die Stadt
Köln gemeint. Zwar wird die Stadt Köln in den Historien des Gregor tatsächlich
durchgängig als „Agrippina“ oder mit Rangbezeichnung als „Agripinensi Coloniae“
bezeichnet [20], aber in Kapitel 24 des sechsten Buches der Historien heißt es
ausdrücklich: „Agripinensim civitatem, quae nunc Colonia dicitur“ [21].
Diese Aussage Gregors deckt sich auffällig mit einer Textpassage aus dem im ersten
Drittel des 8. Jahrhunderts entstandenen Liber historiae Francorum (LHF, 8, 1-2),
das von der Flucht des römischen Heerführers Aegidius aus Köln und der darauf
erfolgten Einnahme der Stadt durch die Franken im Jahre 455 berichtet. Es heißt dort:
„In illis diebus coeperunt Franci Agripiniam civitatem super Renum vocaveruntque
eam Coloniam…“ („In diesen Tagen haben die Franken die Stadt Agripinia auf der
anderen Rheinseite erobert und sie haben sie Colonia genannt…“). Wenn nun Gregor
als Ausgangspunkt von Sigiberts Ausflug die Stadt Köln hier als Colonia und eben
nicht als Agrippina bezeichnet, untermauert er geschickt sein historisches Wissen
über diese Zeit und verwendet bewusst die von den fränkischen Eroberern
eingeführte „neue“ Stadtbenennung, die zu Zeiten Sigiberts auch die übliche gewesen
sein dürfte.
Schwieriger zu deuten ist hingegen das rechtsrheinische Waldgebiet, das Ziel des
Ausfluges und der Ort des Mordes. Da Gregor explizit berichtet, dass Sigibert den
Rhein überquerte (transacto Rheno) und schon zur Mittagszeit das Ausflugsziel
erreicht war (meridiae in tenturia sua obdormiens), muss der Wald gegenüber der
Stadt Köln nicht weit im Landesinneren auf der rechtsrheinischen Niederterrasse
gesucht werden.
In den meisten Handschriften der Textüberlieferung wird dieses Waldgebiet als silva
Buconi benannt. In der mittelalterlichen Schriftüberlieferung ist eine silva Buconi im
Köln gegenüberliegenden rechtsrheinischen Raum bis heute nicht weiter bezeugt.
Erst im Jahr 1482 wird in einer Landübertragungsurkunde, auf der rechtsheinischen
Niederterrasse ein „Boichforst“ genannt, der als deutsche Entsprechung von silva
Buconi auf diesen Wald wieder verweist [22]. Dagegen wird aber ein großes
zusammenhängendes Waldgebiet im östlichen Hessen (Rhön, Vogelsberg) schon in
der späteren Quellenüberlieferung des 8.-10. Jahrhunderts in zahlreichen Belegen
übereinstimmend als Boconi silva bezeichnet [23]. Aus diesem Grund nehmen einige
Gelehrte bis heute an, dass sich die silva Buconi in den Historien des Gregor von
Tours auf eben dieses Gebiet bezieht und nicht auf ein auf der rechtsrheinischen
Niederterrasse befindliches Waldgebiet (silva Buconi, Boichforst). Allerdings bieten
sie keine Lösung für die sich daraus ergebenden textimmanenten Schwierigkeiten.
Allgemein werden Boconi und Buconi als Ableitung von germ. *bōkōn und ahd.
buohha „Buche“ mittels Suffix ia /ijo verstanden, so dass die silva Boconi und die
silva Buconi beide als „Buchenwald“ eigentlich als „buchener Wald“ gedeutet
werden24. Diese Deutung schien plausibel, nahm man doch früher häufig an, dass der
Wald der Niederterrasse ein reiner Buchenwald gewesen ist. Hier drohte
offensichtlich ein Zirkelschluss. Da man heute weiß, dass der Wald der
Niederterrasse ein Eichenmischwald war, entfällt diese Stütze. Überzeugend war
diese Deutung für Buconi aber nie, da die Schreibung von Buconi mit dem Vokal -u
in dieser frühen Zeit nicht recht zu germ. bok- „Buche“ passen will. Dieser
Vokalwechsel erfolgte erst in viel späteren Sprachstufen. Es bietet sich unter
Verwendung der Varianten in der Textüberlieferung der Historien des Gregor von
Tours, die zum Beispiel silva Bucconi oder sogar silva Bugoni bezeugen, aber auch
eine andere Deutung an, die zu einer befriedigenderen Lösung führt. In dieser wird
der Ortsname Buconi zu dem Personennamen Bucconi(us) gestellt, dessen Kurzform
Bucco, Buco, Bukko, Bugi, Bugo oder Buggo lautet. [25] Diesem in der Merowinger-Zeit
geläufigen Personennamen liegt das germanische Appelativum *bukkaz „Bock“, ahd.
buc mhd. boc zu Grunde. Der Wald war dementsprechend der „Bucconische Wald“.
Im Folgenden gilt es nun zu fragen, wo dieser „Bucconische Wald“ auf der
rechtsrheinischen Niederterrasse zu suchen ist, und ob es in der schriftlichen
Überlieferung möglicherweise weitere Hinweise auf die Existenz eines
Personennamens Bucconius oder Bucco dort gibt.
Der Ortsname Buchheim
Der auf der rechtsrheinischen Niederterrasse gelegene Ort Buchheim wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1110 als Bugheim erwähnt. In der folgenden Hochmittelalterlichen und
frühneuzeitlichen Überlieferung sind verschiedene Varianten des Ortsnamens bezeugt: Bucheim (1152, 1156, um 1160, 1190, um 1200/1220, 1210, 1250, 1252), Buecheim (1156), Buicheym (1247), Buchem
(1252), Bocheim (1252), Bocheym (1322, 1438), Boechem (1495) Boichem (1480, 1578)
Bockhum (1555). Es ergibt sich also ein Ortsname, der aus zwei Bestandteilen besteht. Der erste Namenteil ist Bug-, oder Buc- und in der späteren Überlieferung Boc- oder Bouck-. Der zweite Teil
des Namens lautet -heim, -hem, -hum oder verkürzt -em. Die Deutung des zweiten Namenbestandteils -heim und seiner Varianten ist unstrittig. Dies geht eindeutig zurück auf germ. *haima „Ort,
Siedlung,
Wohnsitz“, ahd. -heim, mhd. -heim, ndt. -hem, -hum oder verkürzt -em. Schwieriger zu deuten ist der erste Namenbestandteil, der Bug- oder Buc- und später Boc- lautet.
Allgemein geht man davon aus, dass das erste Element auf germ. *bokon „Buche“, ahd. buoha, mhd. buohe zurückgeht. Dabei steht das Appelativum im Genitiv Singular, so dass Bug-heim beziehungsweise
das etwas spätere Buc-heim als „Ort der
Buche“ verstanden werden müsste. Es fällt auch hier wieder bei den frühen Belegen
des Ortsnamens die Unvereinbarkeit des Vokals -u mit *bok „Buche“ auf. Auch hier
bietet sich eine plausiblere andere Lösung an, die unter anderem schon von Rasch und anderen Autoren postuliert wurde26. Sie erkennen statt *bokon „Buche“ in dem ersten Namenelement den schon
oben erwähnten Personennamen Bucconius in seiner Kurzform Bucco beziehungsweise Buco, Bugo etc. (s.o.), der hier als Beziehungswort zu dem Grundwort -heim im Genetiv Singular steht, sodass
Bug-heim oder Buc-heim als „Ort des Bucco“ aufgefasst werden muss. Im Verlauf des Mittelhochdeutschen kommt es zu einer Vokalverschiebung von -u nach -o, wie es durch germ. *bukka, ahd. buc zu
mhd. boc „Bock“ dokumentiert ist. Bei den gegenüber Lautveränderungen beständigeren Personen- und Ortsnamen wird diese Vokalverschiebung vergleichsweise spät übernommen. Dieser Lautwandel lässt
sich schließlich auch im Ortsnamen Bucheim nachweisen, lautet doch dessen spätere Wiedergabe seit einem Beleg von 1252 zumeist Boc-heim oder, wie in dem Beleg aus dem Jahr 1322, Boc-heym oder
1555 gar Bouck-hum.
Der somit seit 1110 auf der rechtsrheinischen Niederterrasse bezeugte „Ort des Bucco“ ist offensichtlich mit dem gleichen Personennamen gebildet wie der dort zu lokalisierende „Bucconische Wald“, der nach den Historien des Gregor von Tours schon 500 Jahre früher am Beginn des 6. Jahrhunderts belegt ist. Trotz des großen zeitlichen Abstandes der beiden Belege ist anzunehmen, dass der Orts- und der Waldname in einem direkten Zusammenhang miteinander stehen.
Möglicherweise war Buc-heim, der „Ort des Bucco“ eine frühe Rodungssiedlung in den ausgedehnten Wäldern des Rechtsrheinischen, die nach ihrem Gründer, eben jenem Bucco, benannt war. Dabei war die
Keimzelle des Ortes ein Herrenhof mit einigen davon abhängigen kleineren Höfen von Unfreien aber auch freien Bauern, den sogenannten Hintersassen (coloni). Sie beackerten zusammen die zum
Herrenhof gehörige landwirtschaftliche Fläche, das Salland oder Herrenland. Diese vom Herrenhof des Bucco abhängigen Hofstellen bildeten die familia des Herrenhofes mit Rechten und
Pflichten. Sie zahlten von ihren eigenen landwirtschaftlichen Erträgen Abgaben und konnten zu Fron- und Gespanndiensten auf dem Herrenland verpflichtet werden. Darüber hinaus unterstand die
familia der Gerichtsbarkeit des Eigentümers des Herrenhofes, so dass alle Anliegen und Streitigkeiten vor diesem verhandelt wurden. Diese frühe Wirtschafts- und Verwaltungsform nennt man
eine
„klassische Grundherrschaft“ und darauf aufbauend den Eigentümer des Herrenhofes den „Grundherrn“.
Der den frühen Siedlungsort damals noch umgebende dichte Wald, der neben der Landwirtschaft im direktem Rodungsbereich zu den wirtschaftlichen Hauptstützen der Rodungssiedlung gehört haben
dürfte, war eine sogenannte Allmende. Das heißt, der Wald, der zur Beschaffung von Beerenfrüchten, Bau- und Brennholz sowie der Schweinemast diente, gehörte der ganzen familia des Herrenhofes und
nicht dem Herrenhof allein. Dementsprechend wurde der Wald in Anlehnung an den Ortsnamen
als „Buconischer Wald“ (silva Buconi) bezeichnet.
Dies setzt nun indirekt voraus, dass Bucheim als „Ort des Bucco“ spätestens seit dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. existiert haben müsste. Für eine solch frühe Zeit fehlen naturgemäß schriftliche
Belege, sodass für eine mögliche Verifizierung dieser Theorie archäologisches Material ausgewertet werden muss. Tatsächlich fanden sich bei den 1989 im Rahmen der Sanierung der ehemaligen
Pfarrkirche St. Mauritius zu Buchheim erfolgten baubegleitenden Ausgrabungen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege einige spätrömische und fränkische Scherben auf der Hügelkuppe im
Bereich der Kirche, die möglicherweise mit einer solch frühen Siedlung in möglicherweise mit einer solch frühen Siedlung in Zusammenhang zu bringen sind.
Dieses bislang unpublizierte Material wird ergänzt durch weitere Scherbenfunde, die im Bereich des Friedhofs und des heutigen Ortsgebietes von Buchheim aufgelesen werden konnten. Dieses zwar
nicht sehr umfangreiche aber dennoch signifikante Scherbenmaterial besteht aus Rand-, Wand- und Bodenstücken.
Neben einigen eindeutig römischen Scherben des 2./3. Jahrhunderts (Terra Sigilatta, Weißton-Keramik) fanden sich vermehrt Scherben des 5./6. Jahrhunderts (Mayener-Ware) (Abb. 3-5) mit
der
charakteristisch rauhen Oberfläche, einem ebenen Gefäßboden und einem Sichelrand,
der als Deckelfalz für die Gefäße diente. Darüber hinaus sind von uns zusammen mit dieser Keramik Reste römischer Ziegel (tegula) gefunden worden, die als Zeugen einer in römischer Tradition
tehenden Bautätigkeit angesehen werden können. Diese spätantiken Funde werden ergänzt durch frühe „fränkische“ Keramik mit rauhwandigen Knickwandschalen und Wölbwandtöpfen und -schalen mit scharf
umbiegenden und unterschnittenen Rändern sowie ebenen Gefäßböden, die alle dem
6. und 7. Jahrhundert angehören27 (Abb.6).
In diesem reichhaltiger belegten Scherbenmaterial und dem Vorhandensein römischer Ziegel zeigt sich eine auffällige Parallelität mit dem Fundmaterial der fränkischen Siedlung von Porz-Grengel,
die dem 6./8. Jahrhundert angehört [28]. Das hier vorgelegte Material belegt eine Siedlungstätigkeit im Bereich des heutigen Buchheims, die gesichert bis in die Spätantike und das Frühmittelalter
(5.-7. Jh.)
zurückreicht. Die wenigen römischen Scherben sind bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum als Niederschlag einer Besiedlungsphase der spätrömischen Kaiserzeit zu werten, sondern vielmehr
Überreste von im 5.-7. Jahrhundert weiterverwendeter älterer Gefäße. Es scheint sich bei Buchheim um eine „Neugründung“ der nach der Eroberung Kölns auf dem rechten Rheinufer landnehmenden
Franken im 5. Jahrhundert zu handeln, deren „Anführer“ und erster „Siedler“ Bucco hieß. Wo jedoch diese frühfränkische Siedlung in Buchheim genau zu verorten ist, lässt sich derzeit kaum
gesichert sagen.
Vermutlich lag sie, wie die zeitgleiche Siedlung von Porz-Grengel, zum Teil erhöht auf dem Hügel, auf dem sich heute Friedhof und Kirche befinden. Darüber hinaus erstreckte sie sich östlich der
Hügelkuppe in die Niederung entlang der Strunde.
Die erste Erwähnung von Buchheim – Die Urkunde vom 15. 5. 1110
Wie oben angeführt, erscheint Buchheim im Vergleich zu anderen Orten der rechtsrheinischen Niederterrasse in der schriftlichen Überlieferung erst verhältnismäßig spät. Einige frühe Erwähnungen
eines Ortsnamens „Bucheim“ in den Archiven der Abtei Deutz (aus den Jahren 1026/1036 bzw. 1032) lassen sich nicht zweifelsfrei mit dem Köln gegenüberliegenden Buchheim identifizieren, sondern
beziehen sich möglicherweise auf einen gleichnamigen Ort in Westfalen, in dessen Umfeld die Benediktinerabtei Deutz ebenfalls begütert war. Das erste sichere Zeugnis liegt mit einer Urkunde aus
dem Jahre 1110 (Abb.7) vor, die Landbesitz der Abtei Groß St. Martin betrifft29. So beurkundet Erzbischof Friedrich I. (1100-1131), dass der Abt Gerhard von Udesheim (Abt von 1103-1110) im
Kloster des Heiligen Martin einen Altar errichtet und ihn für seinen Unterhalt mit verschiedenen Gütern ausgestattet hat. Da die schlecht erhaltene Urkunde den bislang ältesten schriftlichen
Beleg für den Ort Buchheim darstellt, soll sie hier in Übersetzung gegeben werden.
Übersetzung der Urkunde HASK Best. 1 U 2/12
(Ennen I, S. 614-616, Urk. No. 115)
„Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Friedrich, durch göttliche
Gunst, Erzbischof von Köln.
Die Logik unseres Amtes erfordert die Bemühungen, gute Werke nicht nur für die
Gegenwart zu dokumentieren (wörtlich „zu übergeben“), sondern auch zum Ansporn
der Tugend für die Nachwelt treu zu überliefern.
Daher bestätigen wir allen zukünftigen wie gegenwärtigen in Christus Gläubigen,
dass unser ehrwürdiger Abt Gherardus von dem Kloster des Bischofs Martin – in
göttlicher Liebe und religiösem Eifer – zu Ehren der heiligen und ungeteilten
Dreifaltigkeit und des siegreichsten Heiligen Kreuzes und der ewigen Jungfrau Maria
und des Heiligen Aegidius, des Bekenners, einen Altar in demselben Kloster errichtet
hat. In diesen Angelegenheiten, die sich auf (dieses) göttliche Werk beziehen, hat er,
gemäß seiner gewünschten Möglichkeiten Sorge zu tragen, Streugüter (wörtlich
„verteilte Güter“), nämlich eine Brache (nicht beackertes Land, das zur
Heugewinnung dient) zu Stammheim, eine Manse nahe dem Laach (See) unserer
Stadt, eine halbe Manse zu Buchheim (Bugheim), zwei Rottzehnten zu Soller (und)
20 Morgen Wald zu Flittard zusammen (für die Versorgung) vorgesehen. Diese
bezahlen (gemeint sind die Güter [predia]) aus Stammheim, dem Laach und
Buchheim) jedes Jahr 13 Schillinge kölnischer Pfennige zusätzlich zu den
(Einnahmen aus den) Rottzehnten zu Soller und dem Waldstück zu Flittard. Und all
dies hat der vorgenannte, ehrwürdige Abt für den Altar des Heiligen Kreuzes und des
Heiligen Ägidius eingerichtet. Die Auszahlung (eigentl. Verabreichung) erfolgt durch
die Hand des Priors und durch den, der auch immer der Leiter des Hospitals sein
wird. Aus dieser Summe der Pfennige nimmt er heraus jährlich 30 Pfennige für die
Beleuchtung des Altares. Die Mitbrüder (jedoch) erhalten zur mildtätigen Tröstung
im Refektorium am Tag der Altarweihe 3 Schillinge und am Fest des Heiligen
Pantaleon, dessen Reliquien darin (im Altar) enthalten sind, 1 Schilling. Die übrigen
6 Schillinge und 6 Pfennige teilen sie liebevoll und treu auf, gemäß der Verfügung
des Abtes, zur Tröstung der Brüder und zur Speisung der Armen. Nach dem Tod
dessen (also des Abtes) sollen die Brüder, nämlich die, denen dies anvertraut ist, alles
gemäß der vorgenannten Verfügung, sowohl bei der Beleuchtung als auch bei der
Weihe des Altares, durchführen. Die übrigen 6 Schillinge und 6 Pfennige soll man,
an seinem Jahrestag, gemäß dem, was er selbst begründet hat, den Brüdern und den
Armen verabreichen. Den kranken Brüdern im Hospital soll man die Hölzer von
Flittard nicht wegnehmen, und den Mangel der Armen sollen die Rottzehnten zu
Soller mildern.
Diesem Bericht und Vertrage wohnten die würdigen Zeugen bei, deren Namen
vermerkt wurden, (und) durch deren fromme Gunst und befriedigender
Übereinstimmung dies durchgeführt wurde: Arnold, Dompropst und der Dekan
Johannes. Die Äbte: Herimann, Christian, Lintfrid, Everhard, Cuno. Die Pröpste:
Herimann, Wezelo, Berenger, Everhard, Thidrich. Die Kaplane: Thidrich, Gerhard,
Wigmann, Rubert, Johannes. Die Ritter: Herimann, Gerhard, Thidrich. Die Diener:
Hemmo, Otto, Bruno, Thitmer. Die Diener der Äbte: Thidrich, Eilmer, Hethinrich,
Wolbero, Werner, Azelinus, Everhard, Richwin.
Wir aber haben mit dem Vertrag die Frömmigkeit des guten Werkes und derjenigen,
die (ihm) beiwohnten und mit wohlgefälliger Zustimmung zuhörten – soweit die
Stiftung und die Gründung der Stiftung, die fest und fortwährend eingeschlagen
worden sind, gegen aller bösen Charaktere Störung fortbesteht – durch Gottes Macht
bestärkt, und wir haben befohlen unser Siegel, damit es unten wahrgenommen wird,
anzuhängen.
Gegeben zu Köln im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1110, III. Indikation, (an
den) Iden des Mais (=15.5.)“
Der Text berichtet also, dass der Abt Gerhard für das Kloster Groß St. Martin einen
Altar zu Ehren der Trinität, des Heiligen Kreuzes, Marias und des Heiligen Aegidius
gestiftet hat. Zu dessen Unterhalt, insbesondere für die Beleuchtung des Altares,
fasste der Abt verschiedene Streugüter aus dem Besitz der Abtei zusammen, aus
deren Einkünften die anfallenden Kosten und die mildtätigen Taten im Rahmen der
Altarweihe (Speisung der Armen, Versorgung der Kranken, Tröstung der Brüder)
beglichen werden sollten. Die verschiedenen Güter sind zum Beispiel eine Rodung
(novale) in Stammheim, 20 Morgen Wald in Flittard und eben eine halbe Hufe in
Buchheim (dimidium mansum ad Bugheim). Durch die Erwähnung von Flittard und
Stammheim sollte es sich bei dem erwähnten Buchheim um „unseren Ort“ handeln.
Es hat den Anschein, als ob mit dieser Stiftung anderweitig unrentabler Streubesitz
der Abtei auf der rechtsrheinischen Niederterrasse wirtschaftlich sinnvoll
zusammengefasst werden sollte.
Von besonderer Bedeutung für die finanzielle Ausstattung der Stiftung waren die 20
Morgen Wald in Flittard, die zum Kern der Stiftung gehört haben werden. Da ein
rheinischer Morgen im Mittelalter eine Fläche von ca. 3176 m² umfasste, war das
gestiftete Waldstück von einer wirtschaftlich gerade noch akzeptablen Größe von
ca. 6,5 ha. Neben diesem Waldstück und dem Rottzehnten von Stammheim wurde auch
Ackerland der Abtei in Buchheim in die Stiftung überführt. Dabei handelt es sich um
eine halbe Manse, wobei unter manse (von lat. mansio „Haus“) ein mittelalterliches
Flächenmaß zu verstehen ist, das synonym zu dem deutschen Wort Hufe verwendet
wurde. Unter einer Hufe verstand man die bewirtschaftete Fläche einer Hofstelle, die
nötig war, um einer Familie das wirtschaftliche Auskommen zu gewährleisten.
Dementsprechend war die Hufe ein je nach Bodenbeschaffenheit schwankendes
Flächenmaß. Im Rheinland entsprach eine Hufe ab dem 9. Jahrhundert ca. 30 Morgen
(= ca. 9,5 ha). In unserer Urkunde beträgt die Ackerfläche in Buchheim aber nur eine
halbe Manse (Hufe), also weniger als 5 ha. Diese verhältnismäßig kleine, an sich
alleine unwirtschaftliche Ackerfläche, die schon vor dem Jahr 1110 im Besitz der
Abtei Groß St. Martin gewesen sein muss, belegt für Buchheim ein in dieser Zeit
schon fortgeschrittenes Stadium der „Verhufung“ des Sallandes.
Dies bedeutet, dass zu dieser Zeit immer mehr, meist flächenmäßig kleine und
kleinste Teile des forst- und landwirtschaftlichen Bodens des Herrenhofes an
geistliche Institutionen, Freie oder Unfreie durch Schenkung, Tausch oder
Verpachtung abgegeben wurden. Diese neuen „Landbesitzer“ waren im Gegenzug für
ihr Land nicht mehr zur landwirtschaftlichen Tätigkeit auf dem Salland des
Herrenhofes verpflichtet, sondern nur noch zur Leistung von Abgaben in Form von
Zinsen und Zehnten. Durch diese Form der Zins- und Pachtwirtschaft wurde die
eigene landwirtschaftliche Produktivität des Herrenhofes immer weiter geschwächt
und die ehemalige klassische Grundherrschaft in eine Zins- und Pachtherrschaft
(Rentenherrschaft) überführt.
Doch wie sah die Grundherrschaft Buchheim eigentlich vor dem Hochmittelalter aus;
wie groß war ihre Fläche, wie hat sie sich entwickelt und wie kam dieser Wandel zur
Zins- und Pachtherrschaft zu Stande?
Der Buchheimer Fronhof – Eine klassische Grundherrschaft des Mittelalters
Die Buchheimer Grundherrschaft
Wie oben erwähnt, ist Buchheim vermutlich eine fränkische Gründung des 5./6.
Jahrhunderts. Von diesem ersten Herrenhof des Bucco und der ihm zugewiesenen
Grundfläche sind, da schriftliche Quellen für diese Zeit kaum überliefert sind, keine
näheren Einzelheiten bekannt. Es steht aber außer Frage, dass der spätere Buchheimer
Hof (curtis de Bucheim; curia de Bucheim, ville Bucheim) als ein irgendwie gearteter
Nachfolger dieses ersten Herrenhofes angesehen werden muss. Er wird 1152 in einer
Urkunde erstmals erwähnt und war zu dieser Zeit im Eigentum des Kustos des
Domstifts in Köln. Diese bedeutende Urkunde, die später noch genauer untersucht
werden soll, berichtet von der Aufteilung eines Waldes zwischen Mülheim und
Dünnwald, der zum Hof gehört und nun an die familia verteilt wird und nach Bedarf
gerodet werden soll. Dabei lassen sich der Urkunde schon erste Hinweise auf die
Größe der Grundherrschaft Buchheim im Mittelalter entnehmen. So erwähnt der Text
ausdrücklich, dass der Boden, auf dem die heute noch existierende Kloster- und
Pfarrkirche von Dünnwald 1117/1118 errichtet wurde, zum Hof von Buchheim
gehört (..ad cujus curam supradicta ecclesia pertinet). Aus einem Zinsregister des
zur Abtei Altenberg gehörenden, heute noch bewirtschafteten Schönrather Hofes
(curtis Sconerod), das um 1210 entstanden ist, geht hervor, dass der Weidenbruch
und die meisten anderen Ländereien des Schönrather Hofes zur Grundherrschaft des
Hofes von Buchheim gehörten, denn die Altenberger Mönche mussten für dieses
Land Zinsen an den Hof in Buchheim zahlen30. Die anhand dieser
hochmittelalterlichen Quellen schon zu erahnende Ausdehnung der Buchheimer
Grundherrschaft den Rhein entlang nach Norden, wird schließlich durch eine Quelle
aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (ursprünglich vor 1482 verfasst)
präzisiert. Es handelt sich bei dieser Quelle um ein sogenanntes „Weistum“, eine
schriftlich fixierte Rechtsanweisung, die vordem mündlich tradierte Überlieferungen
zusammenfasst, die zum Teil auf früh- und hochmittelalterliche Traditionen
zurückgehen. Dieser Text gibt eine genaue Beschreibung der mittelalterlichen
Grenzen der Grundherrschaft Buchheim. Der in Frühneuhochdeutsch verfasste Text lautet [31]:
[von Buchheim nach]… Mulheim vnd vortt van Mulheim langs den Rhein bis zu
Stammel an die gais (Gasse) die an Theis hoiff geit, und die gais vortt aus oiuer die
straiß zu dem Valder und vorth den weg auß, der zu dem Dunwalt geitt, da man das
heilige Sacrament van Mulheim hinzutragen pflegt bis zum Dunwalt fur dem Cloister
hin, biß an das Dorff zum Dunwalt vnd fort biß auf die Bruickh vnd die straiß bis
vber den Amberg vnd vortt den weg auß, der von Dunwalt zu Bocheim warth geith bis
an die faule Bach bis zu Herle ouer die Brucke, und da vort den weg hinauß bis an
die Boselheckh, vnd geht vorth durch Viehe weiden vnd fort umb den Boichforst vnd
den weg auß, der geitt hin zu Deutz wardt bis an die fronegaiß, die umb Deutz geitt
an den Rhein und in den Rhein so ferne alß man mit einem Roß reiten vnd so ferne
alß man mit einer geleyen schießen magh……
Das Gebiet reichte also von Buchheim nach Mülheim, den Rhein entlang bis nach Unterstammheim, von dort bis nach Dünnwald, dann zurück über den Emberg und den Weidenbruch über den Faulbachs bis
nach Herl (Haus Herl selber war eine eigene, wenngleich kleinere, aus Streubesitz
bestehende Grundherrschaft mit einem selbstständigen Hofgericht).
In der Folge zog sich die Grenze der Grundherrschaft über die “Boselhecke“ (unlokalisiert) und um den Buchforst herum bis an die Mauer von Deutz (heutige Frohngasse) und sogar bis in den Rhein
hinein, „soweit man mit einem Pferd reiten und mit einem Gewehr schießen kann“ (Abb. 8-9).
Die hier skizzierten Grenzen der Grundherrschaft Buchheim (siehe Karte) umfassten, eine gewisse Geschlossenheit des Besitzes voraussetzend, folglich ein Gebiet von annähernd 15 km². Dies
entspricht einer Grundfläche von 1500 ha oder einer Fläche von ca. 4700 rheinischer Morgen. Damit verfügte die Grundherrschaft Buchheim über ca. 155 Hufen Land, entsprach doch eine Hufe ca. 30
Morgen. In den spätmittelalterlichen Urkunden wird die Buchheimer Grundherrschaft als territorium et districtus bezeichnet32. Dies bedeutet, dass die Grundherrschaft und ihr Hofverband als ein
eigenes „Territorium“ also eine flächenbezogene Herrschaft (territorium) mit gerichtsherrlichen Rechten (districtus) verstanden wurde. Dies war bei den benachbarten Grundherrschaften (außer
Paffrath) nicht der Fall mit ihren Hofgerichten und unterstreicht den herausgehobenen Status von Buchheim im Mittelalter.
Neben dem Buchheimer Hof im Süden, der als Sitz des Grundherrn (curtis dominica)
fungierte, gab es im Norden der Grundherrschaft mit dem Schönrather Hof (curtis
Sconerod) ein weiteres Gut mit zentralen Funktionen (siehe unten). Dazwischen lag
direkt am Rhein das Dorf Mülheim (Freiheit seit 1322) mit seiner Fähre, umgeben
von weiteren Höfen. Wie groß die Anzahl der Höfe im Früh- und Hochmittelalter in
der Grundherrschaft Buchheim war, ist unbekannt. Anhand von Urkunden und
Zinsregistern zwischen ca. 1160 und 1210 lassen sich neben dem Buchheimer Hof
und dem Schönrather Hof mindestens 8 weitere Höfe und Hofstellen nachweisen
(siehe unten). Im Jahre 1555 schließlich gab es 15-16 Höfe neben dem Buchheimer
Hof in der Grundherrschaft. Wir werden uns weiter unten näher damit beschäftigen.
Im Norden grenzte diese Grundherrschaft an die von Flittard (Vlitert) und Paffrath
(Paffenrode), im Osten an die von Herl (Herine) und Merheim (Merhem), während
sie im Süden von Deutz (Duits) begrenzt wurde. Dieser zum Buchheimer Hof
gehörende Grund umfasste sowohl Ackerfläche, Wiesen und Weiden als auch
ausgedehnte Wälder, deren Flurnamen durch mittelalterliche Quellen überliefert sind
(Abb. 9).
Die im Weistum des 15. Jahrhunderts erwähnte Grenze im Rhein (..so ferne alß man mit einem Roß reiten vnd so ferne alß man mit einer geleyen schießen magh……), die für den modernen Leser vielleicht ein wenig amüsant wirkt, formuliert aber ganz eindeutig die Fischereirechte von Buchheim in einem über 5 km langen Abschnitt des Rheins.
Der Grundherr und das Rechtswesen
Im Mittelalter wurde eine Grundherrschaft von einem Grundherren geleitet. Dies konnte ein Adeliger oder eine andere weltliche oder kirchliche Institution sein. Der Grundherr bewirtschaftete den
Herrenhof (curtis dominica, villa dominica) mit seinem Salland, der als das Zentrum der Grundherrschaft angesehen werden muss. Er konnte einen Teil seines Landes als Lehen an freie aber auch an
unfreie Bauern (die sogenannte familia) vergeben und dafür den Zehnt (grob der zehnte Teil des Ertrages) als Gegenleistung fordern. Ihm oblag es, sein Land zu „verschenken“ oder gegen
Zins und Pacht auszugeben.
Spätestens seit 1152 war der Domkustos von Köln der Grundherr in Buchheim und die Grundherrschaft ein Teil des Küstereigutes des Domes (siehe unten). In dem oben schon zitiertem Weistum aus der
2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, in dem sich eine viel ältere Rechtstradition manifestiert, heißt es dementsprechend zu Anfang: „Man kentt einen Thum-Custer zum Dome zu Collen voir einen
Lehnherren aller und jeglicher Lehenguter zu Mulheim und Boichem“33. Der Grundherr und Lehensherr stand zwar dem Hofverband seiner familia vor, unterstand aber trotzdem dem Landesherr, der Vogt
(advocatus) der Grundherrschaft war. Dies war im Falle von Buchheim seit der Gründung der Grafschaft Berg im Jahre 1101 der amtierende Graf und spätere Herzog von Berg (seit 1380), sodass
Buchheim Teil des „Bergischen Landes“ war.
Für die Zeit vor 1100 sind die Verhältnisse weniger klar. Vermutlich gehörte Buchheim – wie das 1025 unter Gaugraf Otto erwähnte Herl – zum Deutzgau (pago Tuizichgouwe), einer in nur wenigen
Quellen bezeugten Gaugrafschaft mit Zentrum Deutz, die in karolingischer Zeit (8./9. Jahrhundert) zum Schutz vor den Sachsen gegenüber von Köln auf der rechtsrheinischen Niederterrasse
eingerichtet wurde [34].
Wie oben erwähnt, war Buchheim eine Grundherrschaft, die in Quellen des 16. Jahrhunderts als territorium et districtus bezeichnet wurde35. Als Lehnsherr saß der Kölner Domküster im Mittelalter
auf dem Buchheimer Hof zu Gericht und richtete nach Bedarf mehrmals jährlich nach einem mündlich überlieferten Kodex (dem sogenannten „ius ville Bucheim“) über die Angelegenheiten, die seinen
Hofverband anbelangten. Akten dieses Hofgerichtes von Buchheim sind im Historischen Archiv der Stadt Köln erhalten aus dem Jahre 1518, und aus den Jahren von 1565-1591 und
1613-1631 [36]. Diese bis heute noch nicht edierten Texte sind, da es sich wohl um unmittelbare Mitschriften der Verhandlungen handelt, schwer lesbar und sollen von uns in späteren Beiträgen
genauer untersucht werden. Sie enthalten eine Fülle von detaillierten Informationen zum Rechtswesen und insbesondere zur Topographie Buchheims und Mülheims. Die Kompetenzen des Grundherren und
seines Hofgerichtes betrafen die Streitschlichtung zwischen dem Grundherren und den Bauern in Angelegenheiten, die das Gemeinderecht betrafen, wie Wald- und Weidenutzung oder Wegerechte. Eine
besondere Aufgabe des Hofgerichtes war die Klärung und Schlichtung von Rechtsfragen bei Grundstückswechseln von Lehensgütern bei Resignation, Tod und Vererbung und die Rechtsprechung in
Schuldensachen. Nach dem Weistum des 15. Jahrhunderts wurde das Hofgericht des Buchheimer Grundherren spätestens zu dieser Zeit nach Mülheim verlegt, und so
heißt es später in der Bergischen Gerichtserkundigung aus dem Jahre 1555 explizit:
„Zu Mulhem hat der Dhumbcuster zu Coln van wegen des hofs Bouckum ein hofsgeding…“[37] .
Damit unterschied sich das Buchheimer Hofgericht erst einmal nicht von dem anderer
Grundherrschaften. Nach der heutigen Rechtsterminologie waren die Aufgaben des Hofgerichtes normalerweise rein „zivilrechtlicher“ Natur und gehörten damit zur „niederen Gerichtsbarkeit“. Das
Weistum aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, das eine viel ältere Rechtspraxis dokumentiert, zeigt aber, dass der Domküster als Grundherr von Buchheim sich damit früher nicht zufrieden gab und
für seinen „Herrschaftsbereich“ auch strafgerichtliche Kompetenzen im Grenzbereich zwischen
Nieder- und Hochgerichtsbarkeit einforderte. So reklamiert der Domküster für sich das Recht:
„… durch das gantze jair zu richten zu Mulhem oiuer erff vnd erfzail, vort oiuer schaden vnd oiuer schuldten vnd oiuer scheltwordt vnd fuistschlege…“ [38]. Nach seiner Rechtsauffassung richtete
der Domküster also auch über Straffälle der „Körperverletzung“. Nicht nur nach damaligem Recht gehörte diese aber zur Hochgerichtsbarkeit, deren Erfüllung letztlich dem Landesherren und nicht dem
Grundherrn zustand. Diese herausgehobene Rechtsposition des Grundherren in Buchheim, die sich angesichts der Machtverhältnisse im 15. Jahrhundert wohl kaum noch durchsetzen ließ, dürfte für das
12.-14. Jahrhundert gängige Rechtspraxis gewesen sein.
Zu dieser Zeit war Buchheim durch die Politik der Domküster wirtschaftlich so erstarkt (siehe hierzu unten), dass der Grundherr sein „Territorium“ als eigenen Rechtsbereich auffasste und in
Buchheim die Bildung einer territorialen Enklave im eigentlich bergischen Herrschaftsbereich drohte. Dies musste zwangsläufig mit dem Landesherren, den Grafen von Berg, zu einem Konflikt führen.
Doch wie konnten die Grafen von Berg dem Selbstbewusstsein des Buchheimer Grundherren entgegenwirken?
Um den Einfluss des Buchheimer Grundherren abzuschwächen, mussten die Grafen von Berg den Rechtsstatus des Gemeinwesens ändern und ein „eigenes“ Gericht in Mülheim einrichten, dem der Domküster
unterstand. Dies geschah im Jahr 1322 unter Adolf VI. von Berg mit der Erhebung Mülheims zur „Freiheit“ und der Gründung eines selbstständigen Schöffengerichtes dort. Eine weitere Schwächung des
Grundherren erreichte der klug operierende Graf Adolf dadurch, dass er in dem
Freiheitsprivileg von 1322 die „Freiheit Mülheim“ räumlich verstand und in diese
(infra libertatem de Molenheym) mehrere Güter in Buchheim einschloss, die dem Hofgericht des Buchheimer Hofes damit entzogen wurden. So zielte ganz offensichtlich die Erhebung Mülheims zur
„Freiheit“ im Jahre 1322 nicht alleine darauf, einen wirtschaftlichen und militärischen Gegenpol zu dem linksrheinischen Köln zu gründen, sondern insbesondere auch darauf, die Macht des
Buchheimer Grundherren deutlich abzuschwächen [39].
Insgesamt gab es nach dem Weistum des 15. Jahrhunderts seit der Erhebung Mülheims zur „Freiheit“ im Jahre 1322 in Mülheim „jedes jairs drei vngeboeden gedinge“, das erste des Jahres am Dienstag
nach Dreikönige, das zweite zu Ostern und das dritte am Johannistag (24. Juni). Der Graf von Berg ließ durch seinen Vogt und Schultheiß das Gericht halten, und der Domküster musste als Lehnsherr
von
Buchheim und Mülheim sieben Schöffen dem Gericht stellen, die unter Leitung des Schultheißen und Vogtes Recht zu sprechen hatten. Dieses Schöffenamt war zum Teil an große Höfe der Grundherrschaft
gebunden. Eine 1646 erfolgte Abschrift des obengenannten Weistums überliefert die Höfe und ihre Eigentümer, die das Schöffenamt zum Zeitpunkt der Abfassung des Weistums innehatten [40]. So musste
der Domküster aus den Lehensgütern in Buchheim drei Schöffen stellen. Zu diesen Lehensgütern zählte auch der Dünnwalder Klosterhof, dessen Schöffenamt urkundlich erstmals im Jahre 1438 belegt
ist. Der Schönrather Hof hatte ebenfalls einen Schöffen aufzubieten. Einen weiteren stellten „Johan Atzebachß vnd Frank Fraitz“ von ihrem Gut zu Zülchen. Der Großgrundbesitzer und
„Immobilieninvestor“ Johann von Zündorf, genannt Mülheim, hatte zwei Schöffen zu benennen „von seinem hoff dar gehörig zu Bocheim gelegen…und von (seinem) Geisen guth auch zu Bocheim gelegen“. Es
handelt sich bei dem genannten Johann von Mülheim, genannt
Zündorf, um eine bedeutende Persönlichkeit Buchheims, die auch in anderen Quellen genannt wird. So verkaufte er im Jahre 1482 seinen „Zündorfer Hof“ und das dazugehörige „Kravengersgut“ in
Buchheim an den Bergischen Kanzler Lüninck.
Diese dürften mit dem im Weistum genannten Hof und Gut des Johann von Mülheim identisch sein. Vor diesem historischen Hintergrund lässt sich die ursprüngliche Abfassung des Weistums entgegen
frühere Vermutungen recht sicher in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts datieren.
Dieses dem Landesherren unterstehende Vogtgericht hatte in Mülheim über Hochgerichtsfälle zu urteilen. So heißt es in dem Weistum „…richten oiuer alle gewalt…vnd al diejenige, die aldair gewalt
getrieuen hauen…richten oiver bloedige wonden….“ [41].
Sollten die sieben Schöffen in Mülheim unter dem Vorsitz des Schultheißen und Vogtes kein einstimmiges Urteil fällen können, mussten sie das Obergericht in Bensberg auf der Berenkubbe anrufen und
bei deren Schöffen Rat einholen42. Mit der Ernennung Mülheims zur Freiheit im Jahre 1322 gelang es den Grafen von Berg erfolgreich, die Macht des Buchheimer Grundherren zu schwächen. Tatsächlich
gewinnt ab dieser Zeit das Städtchen Mülheim innerhalb der Grundherrschaft Buchheim immer mehr an Bedeutung und lief dem landwirtschaftlich geprägten
Buchheim im wirtschaftlichen und geistlichen Leben in der Folgezeit erfolgreich den Rang ab.
Der Buchheimer Hof im 8. / 10. Jahrhundert
Die oben anhand hoch- und spätmittelalterlicher Quellen (12.-15. Jahrhundert) ermittelte ungefähre Flächengröße der Grundherrschaft Buchheim ist sicher nicht das Ergebnis einer erst im
Hochmittelalter (11.-13. Jahrhundert) oder gar später erfolgten Landverteilung im rechtsrheinischen Raum. Zu dieser Zeit wurden keine vergleichbar großen Grundherrschaften im rheinischen
Altsiedelland mehr angelegt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie im Rahmen einer frühmittelalterlichen (karolingischen) Landverteilung im 8.-9. Jahrhundert aus der ehemaligen Siedlung des
Bucco entstanden ist. Diese Hypothese lässt sich aufgrund der fehlenden schriftlichen
Überlieferung jedoch nicht weiter verifizieren. Einziger Beleg für einen intensiven karolingischen Landausbau des 8.-10 Jahrhunderts in Buchheim stellt eine größere Anzahl von Scherben dar, die
eindeutig dieser Zeit zugewiesen werden können (Abb. 10).
Es sind dies vornehmlich Scherben von sogenannten Badorfer Reliefbandamphoren (Abb. 11) [43].
Hierbei handelt es sich um eine signifikante keramische Gattung des 8./9. und beginnenden
10. Jahrhunderts, die in großer Zahl in Badorf und anderen Orten des rheinischen Vorgebirges hergestellt wurde. Charakteristisch sind Gefäße mit eiförmigen Grundriss, die am oberen
Abschluss 3 oder 4 Bandhenkel besitzen.
Die rund- oder linsenbodigen Gefäße erreichten eine Höhe von 50-90 cm bei einem Durchmesser von 30-50 cm und einem Fassungsvermögen von bis zu 80 Litern. Das obere Gefäßdrittel verfügt über diagonal sich kreuzende Reliefbänder, die mit einem Rechteckrollstempel-Dekor versehen sind. Zweck dieser erstaunlich großen Gefäße war die Bevorratung von Lebensmitteln und Saatgut. Neben den hellgrundigen Reliefbandamphoren kommt noch weiteres rollstempelverziertes Keramikmaterial der Karolinger-Zeit im Fundgut vor, das zu Kannen und Schalen gehörte (Abb. 12).
Neben der hellen, gelben Ware sind Belege für eine schwarze, blaugrau reduzierend gebrannte Ware dieser Zeit, bekannt, die deutlich seltener über eine Rollstempelverzierung verfügt. Ferner sind
einige Scherben der zeitlich folgenden „Pingsdorfer Ware“ (10.-11. Jahrhundert) bezeugt, wenngleich diese Keramik im Fundgut deutlich weniger repräsentiert ist als die „Badorfer Ware“ [44].
Diese Keramikgattung zeichnet sich aus durch eine hellgrundige feine Ware mit einer auf der Wandung in roter oder rotbrauner Farbe erfolgten Streifen-, Klecks- oder Gittermalerei. An
Formen lassen sich anhand der wenigen bekannten Scherben in unserem Fundgut nur der Kugeltopf
und die Tüllenkanne nachweisen (Abb. 13).
Sollte das weitgehende Fehlen von „Pingsdorfer Ware“ in Buchheim nicht nur allein auf die
unzureichende Fundlage zurückzuführen sein, verbirgt sich dahinter vielleicht ein Rückgang oder eine
Veränderung der landwirtschaftlichen Sollte das weitgehende Fehlen von „Pingsdorfer Ware“ in Buchheim nicht nur allein auf die unzureichende Fundlage zurückzuführen sein, verbirgt sich
dahinter vielleicht ein Rückgang oder eine Veränderung der landwirtschaftlichen Produktion im Verlauf des 10./11. Jahrhunderts. Das hier vorgelegte Scherbenmaterial belegt also vor allem
eine intensive Landnutzung in Buchheim während des 8.-10. Jahrhunderts. Dies setzt die Existenz eines Hofes in Buchheim in dieser Zeit voraus, der als Zentrum der Grundherrschaft fungiert haben
muss. Dass die umliegende Landschaft tatsächlich im großen Rahmen zu dieser Zeit schon kultiviert war, belegt die im Jahre 1931 erfolgte Aufdeckung eines einzelnen Grubenhauses des 8.-10.
Jahrhunderts in dem Areal zwischen Haus Schlagbaum und dem Gelände des heutigen Reitvereins auf Höhe des Buchheimer Ringes45. Solche Grubenhäuser wurden teilweise – wie in Rolshoven – direkt in
den Gutshöfen oder von denen weiter entfernt errichtet. Sie dienten entweder der Produktion von Gütern (z.B. der Weberei) oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten auf weiter vom Hof entfernten
Ackerflächen. Die bis heute unpublizierte Grabung im Bereich des Hauses erbrachte Acker- und Erntegeräte aus Eisen, Mahlsteine und eine größere Anzahl von Scherben der „Badorfer
Reliefbandamphoren“ und vergleichbarer Keramik. Einige Scherben der „Pingsdorfer Ware“ im Fundgut des Hauses dürften den Endpunkt seiner Nutzung markieren. Möglicherweise stand das Grubenhaus, in
dem landwirtschaftliche Geräte und Saatgut gelagert wurde, in einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Buchheimer Hof des 8.-10. Jahrhunderts. Wahrscheinlich
deponierte man in dem Grubenhaus landwirtschaftliche Gerätschaften für den umliegenden Feldbau, um sie nicht täglich vom Hof aus hin- und hertransportieren zu müssen.
Wie kann man sich nun diesen Buchheimer Hof des 8./10. Jahrhunderts und seine Organisation vorstellen? Wo könnte dieser Hof in Buchheim gelegen haben? Durch einen Vergleich mit ähnlich großen
landwirtschaftlichen Grundherrschaften des 9. Jahrhunderts lässt sich eine ungefähre Vorstellung von der Organisation in dieser Zeit gewinnen, die so oder ähnlich auch für Buchheim zugetroffen
haben wird. Besonders gut ist man über das bei Duisburg liegende Krongut Friemersheim unterrichtet, über das im Jahr 890 in einem Urbar der Benediktiner-Abtei Werden an der Ruhr anlässlich seiner
Schenkung an die Abtei ausführlich berichtet wird46. Anhand der dort gegebenen detaillierten Aufstellung verfügte das Krongut Friemersheim insgesamt über 130 Hufen Salland, die sich wie folgt
verteilten:
Friemersheim 30 Mansen Uettelsheim 1 Manse
Rumeln 20 Mansen Vennikel 2 Mansen
Asterhagen 12 Mansen Uerdingen 1 Manse
Asberg 10 Mansen Anheri 2
Mansen
Atrop 7 Mansen Geldern 1,5 Mansen
Moers 5,5 Mansen Pelden 1,5 Mansen
Oestrum 9 Mansen Ledingheim 0,5 Manse
Essenberg 8 Mansen Halen 0,5 Manse
Bobbonberga 9 Mansen Bliersheim 1 Manse
Die 130 Hufen Salland des Krongutes Friemersheim waren sicher reine Ackerfläche zu der noch Waldgebiete unbekannter Größe hinzugerechnet werden müssen. Der relativ geschlossene Landbesitz wurde
nach Aussage des Urbars im 9. Jahrhundert von 18 Höfen bzw. Hofstellen unterschiedlichster Größe bewirtschaftet. Neben dem Haupthof Friemersheim mit 30 Hufen (= 900 Morgen) war der westlich davon
gelegene Hof Rumeln mit 20 Hufen (= 600 Morgen) von beachtlicher Größe. Es folgten 6 weitere, deutlich weniger begüterte Höfe, deren Sallandhufen zwischen 7 -
12 Mansen schwanken (210-360 Morgen). Sie lagen alle im nördlichen Teil des Grundbesitzes. Die verbleibenden, zum Teil verstreut liegenden 9 Höfe verfügten zusammen über nur noch 11 Mansen (330
Morgen) und waren landwirtschaftlich eher unbedeutend.
War die Grundherrschaft Buchheim im 8.-10. Jahrhundert ganz ähnlich wie die in Friemersheim organisiert? Die verhältnismäßig große Grundfläche dürfte auch hier kaum von dem im südlichen Teil des
Territoriums gelegenen Buchheimer Hof allein bewirtschaftet worden sein. Vielmehr ist anzunehmen, dass mindestens im nördlichen Teil der Grundherrschaft die Existenz eines weiteren Hofes schon
für die Karolinger- Zeit anzunehmen ist. Hierbei könnte im Bereich des allerdings erst seit ca. 1200 urkundlich bezeugten Schönrather Hofes (curtis Sconerod) ein solcher karolingischer
Vorgängerhof gesucht werden. Tatsächlich finden sich auf den Ackerfluren des heutigen Schönrather- und Rodder-Hofes vereinzelt Scherben der Badorfer Reliefbandamphoren und weiterer zeitgleicher
Keramik, wenngleich nicht in der Dichte wie in Buchheim (Abb. 14).
Das Scherbenmaterial bezeugt dennoch, dass diese Fluren spätestens im 8./10. Jahrhundert unter Bewirtschaftung genommen wurden. Dementsprechend ist mit dem Vorhandensein eines Gutshofes in der
dortigen Umgebung zu rechnen, der als Vorgänger des Schönrather Hofes angesprochen werden kann.
Ausgeschlossen scheint eine Bewirtschaftung dieser Ackerflächen von Buchheim
aus, da die Fluren des heutigen Hofes Schönrath von diesem zu weit entfernt liegen.
So wird noch in der Urkunde aus dem Jahr 1152 (siehe unten) bei der Teilung und Rodungsfreigabe des zwischen Mülheim und Dünnwald sich erstreckenden Waldes ausdrücklich darauf verwiesen, dass
diese Flächen für eine Bewirtschaftung von Buchheim aus zu weit entfernt liegen (Quia vero portio, quae curiae designata erat, propter remotionem ad colendum incommoda erat..). Darüber hinaus ist
zwischen Buchheim und Mülheim und weiter nördlich Richtung Schönrath – wie es auch in
Friemersheim zu beobachten war – schon im 8.-10. Jahrhundert mit der Existenz weiterer kleinerer Hofstellen zu rechnen, die von freien und unfreien Bauern bewirtschaftet wurden (zu den Höfen und
Hofstellen im Hoch- und Spätmittelalter, siehe unten). Zwischen den bewirtschaften Flächen erstreckte sich zu dieser Zeit ein ausgedehntes Waldgebiet, dass bis Dünnwald reichte und erst ab 1152
gerodet wurde.
Im Folgenden gilt es zu fragen, wie der karolingische Hof in Buchheim möglicherweise ausgesehen hat und wo er im Ortsgebiet zu verorten sein könnte.
Tatsächlich ist man bis heute über das bauliche Aussehen karolingischer Gutshöfe des 8.-10. Jahrhunderts aus archäologischer Sicht nur sehr unzureichend informiert. Einer Landgüterverordnung
(Capitulare de villis et curtis imperii) Karls des Großen, die vermutlich nach der schlimmen Hungersnot von 792 / 793 schriftlich fixiert wurde und der Vereinheitlichung der landwirtschaftlichen
Betriebe im Karolinger-Reich diente, sind nur wenige Angaben zur äußeren Gestalt der Höfe zu entnehmen.
Der Leiter einer solchen (königlichen) Domäne war nach diesem Text ein iudex (Amtmann). Er residierte in einem zentralen Verwaltungsgebäude, das palatium genannt wird.
Ein weiterer um 800 entstandener Text mit dem Titel „Brevium exempla ad res ecclesiasticas vel fiscales describendas“ beschreibt einige dieser Domänen etwas genauer47. Das palatium war aus Stein
errichtet. Die weiteren Häuser im Hofareal (Scheunen, Ställe, Heuböden, Männer- und Frauenhaus) waren hingegen aus Holz erbaut. In diesem Text sind die beschriebenen Höfe mit Wall und
vorgeschaltetem Graben (tunimus) und einem steinernen Tor (porta lapidea) versehen, die durch
Hecken oder Palisaden (saepes) geschützt wurden. Seltener ist eine aus Stein errichtete Umfassungsmauer erwähnt.
Mit der baulichen Gestalt solcher Gutshöfe und ihrer geographischen Lage außerhalb der textlichen Überlieferung hat sich Ernst Gagel näher beschäftigt48. Dabei untersuchte er vornehmlich die
durch Urkunden bekannten Königshöfe in Franken und der Oberpfalz und versuchte, sie anhand alter Flur- und Katasterkarten des 19.Jahrhunderts zu lokalisieren. In vielen Fällen gelang ihm dies mit
absoluter
Sicherheit. Er stellte überzeugend fest, dass die Gutshöfe dieser Zeit immer wiederkehrende Gemeinsamkeiten aufwiesen. Sie wurden zumeist nach einem „Idealplan“ angelegt. Die Hofareale waren
durchweg von einem langrechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken und verfügten über eine Länge von ungefähr 160 Metern bei einer Breite von ungefähr 80 Metern. Fast immer waren die Höfe an
einer oder zwei sich kreuzenden Altstraßen gelegen, die den Hof seitlich passieren. In die
Anlage wurden häufig Bach- oder Flussläufe integriert, die zu einer Zweiteilung des Hofareals führten. Die meisten Höfe verfügten über eine im Umfeld des Hofes liegende Mühle und eine innerhalb
des Hofareals erbaute Kapelle oder über eine außerhalb der Hofumfassung errichtete kleine, inmitten eines Friedhofs liegende Kirche.
Vorausgesetzt, dass die rheinischen Gutshöfe des 8.-10. Jahrhunderts einem ähnlichen Idealschema folgten (was bei dem Hang der Karolingischen Wirtschaft zur Vereinheitlichung als wahrscheinlich
anzusehen ist), kann anhand der Erkenntnisse Gagels der Versuch unternommen werden, den Buchheimer Hof des 8.-10. bezeugt, im 8.-10. Jahrhunderts im heutigen Ortsgebiet von Buchheim zu
lokalisieren (Abb. 15).
So befindet sich der Ortskern Buchheims bis heute im Bereich einer wichtigen mittelalterlichen Straßenkreuzung. Hier kreuzt sich die Frankfurter Straße, die von Mülheim über Altenkirchen nach
Frankfurt führt, mit der Wipperfürther Straße, die von Deutz über Wipperfürth bis nach Arnsberg ging. Für eine genauere Lokalisierung des Hofes ist die „Übersichtskarte der Gemeinde Mülheim am
Rhein vom Jahre 1876“ heranzuziehen. Diese vom Mülheimer Stadtbau-Amt im Maßstab 1:10000
herausgegebene Karte enthält aufgrund ihrer für diese frühe Zeit recht genauen Aufnahme Flurstücke und Grundstücksgrenzen, die zum Teil eine mittelalterliche Disposition widerspiegeln. Diese sind
auf späteren Karten durch die fortschreitende Bebauung und Überformung der Landschaft zumeist fast völlig verloren. Auf der Karte von 1876 erkennt man zwischen dem Eisenbahndamm und der
Frankfurter Straße sowie der Strunde und dem „Buchheim-Deutzer Weg“ (heute Heidelberger Straße) noch deutlich den Wassergraben und einige Baureste des hoch- und
spätmittelalterlichen Buchheimer Hofes, der weiter unten näher betrachtet werden soll. Es fällt bei einer genaueren Betrachtung der Karte auf, dass der Straßenabschnitt der Frankfurter Straße
zwischen der Kirchgasse und der Kreuzung mit dem „Buchheim-Deutzer Weg“ auf dessen Westseite ca. 160 Meter schnurgerade verläuft.
An der Ecke, wo die ebenfalls über ca. 80 Meter auffällig gerade verlaufende Kirchgasse in die Frankfurter Straße mündet, ist deutlich eine Grabensituation verzeichnet, die mit dem hoch- und
spätmittelalterlichen Wassergrabensystem (siehe unten) nicht in Einklang zu bringen ist. Diese Grabensituation ist heute noch am Beginn der Kirchgasse erkennbar. Der Graben setzte sich nach Süden
bis zu der Kreuzung fort und ist älter als das hoch- beziehungsweise spätmittelalterliche
Wassergrabensystem. Er könnte zu einem Graben und Wall einer älteren, frühmittelalterlichen Anlage gehören. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der über ca. 160 Meter lange, schnurgerade Abschnitt
der Frankfurter Straße auf diese Grabensituation Bezug nimmt und auf deren Existenz zurückzuführen ist. Wahrscheinlich markiert eben dieser 160 Meter lange Straßenabschnitt die Ostseite des
karolingischen Hofes des 8.-10. Jahrhunderts mit dem vorgeschalteten Graben.
Als langrechteckige Hofanlage verfügte er über eine Nord-Süd Ausrichtung. Der ca. 80 Meter in gerader Ausrichtung verlaufende Abschnitt der Kirchgasse hingegen nimmt Bezug auf den Graben der
Nordseite des Hofes und markiert dessen ehemaligen Verlauf. Seine östliche Grabenecke war 1876 noch erhalten und ist bis heute im Gelände zu beobachten.
Die so rekonstruierte langrechteckige Hofanlage von einer Ausdehnung von ca. 160 x 80 Metern, die sehr gut der von Gagel ermittelten Flächengröße eines karolingischen Gutshofes entspricht, wurde
durch die Strunde von Ost nach West durchflossen. Der Bachlauf, der durch das vermutete Hofgelände ging, weist nach der Unterquerung der Frankfurter Straße, auf einer Länge von ca. 80 Metern eine
auffällige Begradigung auf, wie der Karte von 1876 deutlich zu entnehmen ist. Diese Begradigung ist nur vor dem Hintergrund der hier vermuteten Hofanlage zu erklären, deren Ost-West- Ausdehnung
eben diese 80 Meter betrug. Der in dem inneren Hofbereich
sinnvollerweise begradigte Bach teilte die Hofanlage also in zwei unterschiedlich große Areale. Dies entspricht der von Gagel beobachtenden Einbindung von Bachoder Flussläufen in die
karolingischen Gutsanlagen.
Die weitere Bebauung der beiden Areale und die Eingangssituation sind völlig unbekannt. Möglicherweise lag das steinerne palatium der Hofherren in dem größeren südlichen Areal, auf dessen
Grundfläche später in einer irgendwie gearteten Siedlungskontinuität die hoch- und spätmittelalterliche Anlage errichtet wurde. Darüber hinaus hatte Gagel bei den Gutshöfen der Oberpfalz auf eine
häufig zu beobachtende Vergesellschaftung der Höfe mit einer Mühle und einer Hofkirche hingewiesen. Tatsächlich lag auch in Buchheim fünfzig Meter östlich des hier vermuteten Hofes der
Karolinger-Zeit an der Strunde eine Mühle, die obwohl erst seit 1300 urkundlich bezeugt, im 8.-10. Jahrhundert durchaus schon existiert haben könnte. Im Westen, ca. 250 Meter vom Hof entfernt,
liegt bis heute der Rest der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichteten Pfarrkirche St. Mauritius, die auf ältere Vorgängerbauten zurückgehen wird (siehe unten).
Der Buchheimer Hof im Hochmittelalter – Ein Gut der Kölner Domkustodie
Der Buchheimer Hof vom Ende des 18. bis in das 20. Jahrhundert.
Zum Verband des Bucheimer Hofes gehörte der Buchheimer Hof selber und die Buchheimer Hofmühle, wobei die Buchheimer Hofmühle in einem eigenen Abschnitt behandelt wird.
Der Buchheimer Hofverband war der beherrschende Hofverband im heutigen rechtsrheinischen Köln. Nach verschiedenen Teilungen wurde das Gebiet immer weiter verkleinert.
Durch den Eisgang wurde der Untergang des Buchheimer Hofes als grundherrlicher Großbetrieb eingeleitet.
Zu den verheerenden Überschwemmungen und dem Eisgang zum Jahreswechsel 1783 / 84 schreibt Vincenz von
Zuccalmaglio (gen. Montanus) auszugsweise aus „Beschreibung der schrecklichen Ueberschwemmung und Eisfahrt wodurch den 27 und 28ten Februar 1784 ein großer Theil von Mülheim am Rhein verwüstet
worden ist.“ Von Johann Friedrich Hutmacher
(wieder gegeben von Vincenz von Zuccalmaglio, gen. Montanus [1]):
„Im December vorher war der Rhein durch herbstliche Regengüsse über die Ufer geschwellt, als heftiger Frost eintrat. Am 9. und 10, Januar stellten sich die bei 12 Grad R. dichtdrängenden Eisschollen fest, und man war schon mit dem Bahnen eines Fahrweges über den Strom beschäftigt, als das Eis bei Köln nochmals losbrach und sich vor Mülheim über und unter einander schob, so daß die Decke eine Stärke von 15 Fuß [2] gewann. Zwischen hochgethürmten Eisbergen führte eine mühsam geebnete Fahrstraße 7 Wochen' lang (11. Januar bis 27. Febr.) über den Rhein, der damals noch 14 Fuß über gewöhnlichem Fahrwasser bis in die Freiheitsstraße stand. Der mit Thauwetter abwechselnde heftige Frost verdickte die Eisdecke mit dem überströmenden Wasser immer mehr. Viel Schnee war gefallen. Durch das Uebereinanderschieben des Eises hatte sich aber bei Mülheim das Strombette so verengt, daß oberhalb Köln, wo sich das Treibeis noch fortbewegte, das Wasser über die Dämme stieg. Ueber den Westhover Damm stürzte am 17. Januar eine mächtige Flut durch die Niederung des alten Rheinbettes, Buchheim entlang durch die Senkung des Faulbachs und Strunderbachs auf Mülheim herab und überströmte den südlichen Theil der Stadt bis zur Stockergasse. Doch bald stopfte das anschiebende Eis den Ausfluß, und der Damm wurde um zehn Fuß höher gebaut. Unterdessen mehrte sich der Schnee bis am 22. Februar Thauwetter eintrat und die Flut über die immer noch feststehende Decke des Rheines hinab brauste. Am 26. Februar war die ganze Niederung der Freiheit bis zur ref. Kirche überschwemmt.
Unbeweglich starrte die Eisdecke bei einer Wasserhöhe von 24 Fuß. Da brachen die Mosel und der Oberrhein los, zerstört und zerstörend setzte sich die Eisdecke oberhalb Köln in Bewegung. Der Bayenthurm zitterte bei ihrem Stoße; doch dies Bollwerk, das so manchem Sturm getrotzt, bewährte seine Stärke, und dämmte die vernichtende Flut gegen das rechte Ufer. Vom steigenden Wasser von Stiege zu Stiege verfolgt hatten die geängstigten Mülheimer ihre Habe, ihre Vorräthe die ganze Nacht hindurch in die obern Räume der Häuser geflüchtet. Andern Morgens stand die Flut 17 Fuß hoch über die neulich erhöheten, jetzt durchbrochenen Dämme. Zwar brach die Eisdecke des Hauptstromes auch bei Mülheim, doch sie stellte sich bei der Kirchmauer fester als vorhin, und die höher gethürmten Schollen dämmten das Wasser in die Stadt. Das Strombett entlang und von der Feldseite her stießen die Eismassen gegen die bis ans Dach umfluteten Häuser des südlichen Stadttheiles. Mehre Gassen waren mit Eis so gefüllt, daß die rettende Kahnfahrt gehemmt war. Ueber die Hausdächer kletterten die Bedrängten, um ein stärkeres Gebäude, oder den nicht überschwemmten Theil der Stadt, die obere Freiheits- und Buchheimerstraße und den Wall zu erreichen. Haus auf Haus stürzte; doch kühne Schiffer und eine gütige Vorsehung retteten. Das häufig stockende Eis diente Manchem zur Brücke- Die folgende Nacht hindurch stieg die Gefahr. Ein Sturmwind erhob die Gewalt der Flut und übertobte den Hülfruf und das Krachen der Schollen und Gebäudetrümmer.
Am Morgen des 28. Febr. dürfte das Wasser nur noch 2 Fuß steigen, so war ganz Mülheim überflutet. Der trockene Raum wurde immer enger. Da endlich am Mittage brach unter furchtbarem Krachen die Decke des Stroms, die Eisberge wälzten thalwärts und die Wasser traten zurück. Vom südlichen Ende der Stadt bis zur Stockgasse ragten blos der Thurm der luth. Kirche und fünf andere Gebäude über die Eisschollen, welche die Trümmer bedeckt und die Gassen und Häuser gefüllt hatten. Hundert zwei und sechzig Wohnungen waren gänzlich weggerissen und eben so viele hart beschädigt, 1800 Menschen waren obdachlos, aller Habe beraubt; Gärten und Felder verwüstet. “
Beide diesem Eisgang wurden riesigen Quadersteine des alten Buchheimer Hofs zerstört und mitgerissen. Die auf einem Hügel befindliche Mauritiuskirche wurde nicht zerstört.
Es wird vermutet, dass der Buchheimer Hof in einer Bodensenke gelegen hat, die sich neben der Frankfurter Straße von der Arnsberger über die Heidelberger Straße bis zum alten ACLA – Gebäude und weiter über den heutigen Eisenbahndamm erstreckt hatte Der Bereich wurde damals das „untere Buchheimer Dorf“ genannt und ist heute überwiegend durch den Eisenbahndamm verschüttet. Ein kleiner Bereich der Senke ist von der Arnsberger Straße zwischen dem Autohaus Bauer und einer angrenzenden Kraftfahrzeug - Werkstatt zusehen.
Buchheimer, die vor Errichtung des Bahndamms gelebt haben, haben berichtet, dass noch um 1900 ein Weiher dort war, der von der Strunde gespeist wurde. Mitten drin war eine Insel. Auf dieser Insel
war ein mit Quadersteinen gebautes Haus. Neben den Kellermauern lagen viele Mauerreste, die auf Grund ihrer Dicke auf ein früheres großes Gebäude vermuten lassen. Der Bereich ist heute
überwiegend durch den Eisenbahndamm verschüttet. [3]

Der neue Buchheimer Hof wird 1785 an einer höheren Stelle an der Frankfurter Straße / Buchheim – Deutzer Weg (heute Heidelberger Straße) wieder errichtet.
In Frankreich wurde nach der Erstürmung der Bastille 1789 die konstitutionelle Monarchie eingeführt. Die europäischen Monarchien sahen ihre eigenen Herrschaftsansprüche bedroht. Nach dem gescheiterten Fluchtversuch von Luis XVI. im Juni 1791 erklärten Preußen und Österreich, dass sie die vollständige Herstellung der Monarchie in Frankreich auch militärisch durchsetzen wollen. Daraufhin erklärte Frankreich 1794 Österreich den Krieg und marschierten in die zu Österreich gehörenden Niederlanden ein. Auf Grund des Freundschafts- und Defensivertrags von 1792 trat Preußen an die Seite Österreichs. Nach anfänglichen Erfolgen der Koalition drangen die Franzosen Richtung Osten und erreichten den Rhein 1794. Im April 1795 wird der Basler Frieden zwischen Frankreich und Preußen geschlossen. Frankreich behält das linke Rheinufer. Anfang September marschieren französischen Truppen im Herzogtum Berg ein und erreichten etwa eine Woche später Mülheim. Unter der Besatzung hatte die Bevölkerung sehr stark zu leiden. Um Holz zu erhalten, kennzeichnet die französische Armee die zu fällenden Bäume mit „RF“ für République Française. Für die Buchheimer bedeutete die Abkürzung Raub – Fabrik. Im Mai 1796 als der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Österreich aufgekündigt war, wurde die Zehntscheuer des Halbwinners Schiefer in Buchheim, ebenso wie die Kirche zu Buchheim als Vorratshäuser eingerichtet. [4]
1803 übernimmt der Neffe Herzog Wilhelm von Bayern von Kurfürst Max Joseph die Regentschaft. Auf Grund der Verweltlichung
(Säkularisierung) wird der Buchheimer Hof mit seinen 600 Morgen Land [5] und die alte
St. Mauritiuskirche vom Herzogtum Berg übernommen. Die Verwaltung des Großherzogtums Berg in Düsseldorf verpachtete oder verkaufte ihn.
Der Hausherr des Buchheimer Hofes ist der Halbwinner [6] Schiefer, der 1807 eine Hauskapelle einrichten
durfte und in der am 23.o5. d. J. die erste Messe gehalten wurde.
Die Hauskapelle wurde auch als Ersatz für die zerstörte Pfarrkirche St. Mauritius der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. [11]
Das Buchheimer Kreuz zum Andenken an die goldene Hochzeit des Ehepaares Schiefer wurde mit dem Text:
„DEM ERHALTER DES LEBENS
DEM GEBER DES FRIEDENS
VON FRIEDERICH SCHIEFER
UND ANNA GERTRUD THURN
ANLÄSSSLICH
IHRER 50 JÄHRIGEN EHE
1806“
an der Strunde errichtet. [3]

Während der französischen Besatzungszeit wurden nicht nur die Buchen abgeholzt, sondern die Besatzer nehmen 1813 die Viehbestände vom Buchheimer Hof in Beschlag. Das brachliegende Gelände des ehemaligen Buchenforstes wird durch die Besitzer des Buchheimer Hofes zu Getreideanbauflächen hergerichtet. Im Jahr 1845 wurde ein Teil des westlichen Hofgebietes an der heutigen Kalk – Mülheimer Straße vom Hochwasser überschwemmt.
Am Rand des Gebietes vom Buchheimer Hof (etwas westlich der heutigen Kalk – Mülheimer Straße wurde eine Eisenbahn gebaut. Der erste Zug der Bergisch – Märkischen Eisenbahn konnte 1867 auf der Strecke von Deutz über Mülheim am Rhein (Buchheimer Straße / heutiger Clevischer Ring) und Opladen, sowie Solingen nach Gruiten fahren.
Die Rheinische Eisenbahn – Gesellschaft (RhE) baute eine Strecke von Troisdorf über Kalk (Nord) - Mülheim am Rhein - Opladen nach Speldorf (Mülheim an der Ruhr). Der Personenbahnhof Mülheim am Rhein war im Bereich der Frankfurter und Ackerstraße. Sie wurde 1874 in Betrieb genommen und führte mitten durch das Gelände des Buchheimer Hofes. Der Personenbahnhof Kalk – Nord lag auf dem Gelände des heutigen Güter- und Verschiebebahnhofes. Da die Strecke an den Siedlungskernen vorbeiführt, wurde schon bald nach der Verstaatlichung (Ende des 19. Jhd.) der Eisenbahngesellschaften der Personenverkehr im Buchheimer Bereich eingestellt. Der Bahnhof in Mülheim – Buchheim wurde außer Betreib genommen. Die Strecke wird nur noch für den Güterverkehr genutzt.
![Abb. 3 Ausschnitt aus einem Stadtplan um 1880 [7]](https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=661x10000:format=jpg/path/s5d8cb85d44f42370/image/i8a19177e792944a1/version/1699829461/image.jpg)
Um den Verkehr störungsfreier und sicherer zu machen wurden die Bahndämme zwischen 1905 und 1909 höher gelegt. Hierzu wurden Bodenmassen aus dem Königsforst herangeschafft. 1910 waren die Arbeiten in der Nähe des Buchheimer Hofes erledigt. Hierbei wurde auch die Insel auf der wahrscheinlich auch der alte Buchheimer Hof gestanden haben soll zugeschüttet. [8]
Der Besitzer des Buchheimer Hofs Viktor Haffens vermachte der neuen
St. Mauritiuskirche testamentarisch 5.000 Mark für die Chorfenster. [9]
1897 veräußerten die Eheleute Decker den westlichen Teil (Kalker Feld, heute Buchforst) bis zur heutigen Kalk – Mülheimer Straße an die Mülheimer Bau- und Spargenossenschaft. [3] Im folgenden
Jahr wurde auch das restliche Land als Bauland zur Verfügung gestellt. Der Hof selbst wurde nicht verkauft.
Neun Jahre später wurde ein Straßenbauvertrag abgeschlossen. Der den Ausbau der Weißenburger Straße (heute Heidelberger Straße) beinhaltete.
Im Jahr 1906 wurde die eingleisige Straßenbahnstrecke (Linie C gelb / weiß) Cöln – Weißenburger Straße (heute Heidelberger Straße) am Buchheimer Hof vorbei nach Holweide eröffnet.
Die Mülheimer Kleinbahn (MKB) betrieb ab 1909 die Strecke aus dem Mülheimer Zentrum über die Frankfurter Straße am Buchheimer Hof vorbei zur südlichen Stadtgrenze am Höhenberg an der Olpener Straße.

Die Straßenbahnlinie 2 wird am 14.10.1935 vom Buchheimer Hof über die Frankfurter Straße zum Bahnhof Mülheim verlängert.
Im Jahr 1944, während des zweiten Weltkriegs, wird der Buchheimer Hof von Bomben getroffen.

Zur Erinnerung an den Buchheimer Hof wurde auf dem Gelände der ACLA neben dem Neubau an der Ecke Frankfurter / Heidelberger Straße eine Stele errichtet.
Der Text auf der Stele lautet:
Zur Erinnerung an den Buchheimer Hof.
Vom 12. bis Anfang des 19. Jahrhunderts.
Pfründe des Domküsters zu Köln.
Unweit von hier gelegen und dort durch
die Naturgewalt des großen Eisgangs am 27. Februar 1784
vollständig zerstört.
An dieser Stelle 1786 wiedererrichtet.
Nach abermaliger Zerstörung im 2. Weltkrieg
wurden die Reste 1951 endgültig abgetragen.
Et in Memoriam
Karl Fees
Auf der Plakette an der linken Seite steht:
„Errichtet mit Spenden der Buchheimer Bürgerschaft und aufgestellt durch den Bürger- und Heimatverein e. V. am 16. November 1985.“
Unter der Plakette steht der Name der Steinmetzfirma Sarter

Anmerkungen / Quelle / weiterführende Literatur
- [1]
Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises
Mülheim a. R. von Vincenz von Zuccalmaglio, Köln 1846
- [2]
. Ein berg. Fuß beträgt von 281,98 bis 313,85 mm
[3] Geschichte des jüngsten Vorortes der Stadt Köln / Köln –
Buchforst, E. Platz 1932, Math. Burgwinkel – Verlag
- [4]
Geschichte der Stadt Mülheim, A. Äußere Geschichte der Stadt
Mülheim, IV. Das herzogliche Mülheim 1380 – 1806, h. Einfall
der
Franzosen in Berg. Von 1795, bis zur Herrschaft der
Franzosen
über Berg 1806, Johann Bendel,
- [5]
Flächenmaß. Der Bergische Morgen entspricht 2.132 m².
Drei Morgen entsprechen etwa einem Fußballfeld.
- [6] Halbwinner ist ein Pächter mit besonderen Bedingungen.
- [7] Karl – May –
Atlas, Hans – Henning Gerlach, Karl – May – Verlag
Bamberg, Radebeul, ISBN 978 – 3 – 7802 – 0150 – 8, Seite
66
- [8] Geschichte von Kalk und Umgebung, Kalk 1910, Heinrich Bützler
- [9]
Herrjottszeijefinger – Festschrift zum 100 – jährigen Kirchweihfest
St. Mauritiu Köln – Buchheim Herausgeber römisch –
katholische
Pfarrgemeinde St. Mauritius in Köln – Buchheim gemeinsam
mit
dem Bürger- und Heimatverein Buchheim.
- [10]
Buchheim – Vom Mittelalter bis zur Neuzeit, 1. Ein ziemlich altes
Dorf, Seite 4 – 6, zusammengestellt von der
Geschichtswerkstatt
Buchheim
- [11]
(römisch-) Katholische Pfarrgemeinde St. Clemens und Mauritius, Lisa Weyand, -
Die Friedhofskapelle St. Mauritius, Seite 15
Buchheimer Mühle
Die Strunde floss von Herl kommend entlang der heutigen Arnsberger Straße zur Buchheimer Mühle und weiter
in dem Verlauf der heutigen Holsteinstraße Das Mühlen- und Ackergelände grenzte westlich an die Frankfurter Straße. Das Wasserrad war oberhalb des Baches angesiedelt und wurde an der Unterseite
vom Bach angetrieben. Die Buchheimer Mühle stand etwa dort, wo heute das Schulzentrum Buchheim liegt und gehörte mit dem nahe gelegenen Buchheimer Hof zum Hofverband des
Cölner Domküsters. Viel Informationen über die Frühzeit der Mühle sind nicht vorhanden. Sie wird die 1775 erwähnte Buchheimerhofmühle sein.
Abb. 1 Buchheimer Mühle
Auf den in Abb. 2 dargestellten Plan, der vor 1868 erstellt wurde, stand die Buchheimer Mühle im Bereich der heutigen Arnsberger Straße in Höhe des Schulzentrum Buchheim.
Am 18. August 1899 wird die Buchheimer Mühle einschließlich Hofraum und Stall, sowie sonstigen Zubehör
von Maria geb. Dorff an das Buchheimer Ehepaar Wilhelm Kuttenkeuler und seine Ehefrau Katharina geb. Statz verkauft.
Die Getreidemühle war bis 1906 in Betrieb. Durch Dampfmaschinen und Elektroantriebe wurden die Mühlen an der Strunde nicht mehr benötigt.
Das Ehepaar Kuttenkeuler verkaufte die Buchheimer Mühle am 7. September 1907 an die Stadtgemeinde Mülheim und die lies die Mühle 1910 abbrechen.

Evangelische Christen in Buchheim
- Die Anfänge
Der erste bekannte Evangelische ist 1568 von Cöln nach Mülheim geflohen. Aber auch in Mülheim mussten sie
noch im Verborgenen treffen bis 1609 die volle Religionsfreiheit gewährt wurde. Die ersten evangelischen Gemeinden konnten entstehen. Es gab eine evangelisch – lutherische und eine evangelisch –
reformierte Gemeinde. Im Gegensatz zu den Lutheranern haben sich die Reformierten weiter von der römisch – katholischen Kirche entfernt. Die von den Reformatoren Calvin aus Genf und Zwingli aus
Zürich sehen z. B. im Abendmahl eine rein symbolische Handlung. Auch wird in den Gottesdiensten nicht bis wenig, meist nur die Psalmen gesungen. Die Kirchengebäude sind schlichter eingerichtet.
Der preußische König, ein Reformierter durfte mit seiner Ehefrau Luise, einer Lutheranerin nicht gemeinsam zum Abendmahl gehen. Er versuchte beide evangelischen Richtungen zu vereinen und so
entstand 1817 die evangelisch – unierte Kirche. Jetzt konnte er mit ihr gemeinsam das Abendmahl feiern, hatte aber hierdurch leider nicht die Einheit der evangelischen Christen erreicht, sondern
eine dritte Richtung gebildet. Die Durchsetzung in ganz Preußen gelang nicht. In der Provinz Rheinland wurde dies überwiegend und nach längerer Zeit erfüllt. In Mülheim einigten sich beide
evangelischen Gemeinden 1837. Seit dieser Zeit sind die Mülheimer Gemeinden evangelisch – uniert. [1]
Die wenigen evangelischen Buchheimer mussten zum Gottesdienstbesuch erst nach Mülheim in die 1786 erbaute Friedenskirche an der Wallstraße 70 -72 gehen. Als 1895 die Lutherkirche an der
Regentenstraße 42 fertig war, war der Weg einige Meter kürzer.
Die Familie Andreae, die in Mülheim am Rhein eine Samt- und Seidenfabrik besaß, stiftete 1893 an der Graf – Adolf – Straße 22, die damals noch zu Buchheim gehörte, ein Kinderheim. Im Zweiten
Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 durch Bomben zerstört. Auf diesem Trümmergrundstück wurde 1953 das Andreae – Haus eingeweiht. [2] Im Gemeindesaal im Erdgeschoss wurden bis vor einigen Jahren
auch Gottesdienste für den Pfarrbezirk Mülheim - Süd abgehalten, die für die Buchheimer (1945 waren es 50 Gemeindemitglieder) besser erreichbar waren. Neben dem Erwachsenengottesdienst gab es
auch schon lange Jahre auch einen Kindergottesdienst. Auch wurden hier Kinder- und Jugendgruppen vom CVJM durchgeführt. Da der Gemeindesaal für Festlichkeiten zu klein war, wurden u. a.
Konfirmationen in der Luther – Notkirche (nach dem Krieg Zugang von der Adamsstr. aus) durchgeführt. Sie hat den Zusatz „Not“ erhalten, weil sie nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
notdürftig, durch finanzielle Unterstützung aus den USA, 1948 / 49 aufgebaut wurde. Sie ist die einzige, noch vollständig erhaltene Notkirche (von ehemals 47) in Deutschland. [3]
„In Buchheim ist nach dem Zweiten Weltkrieg die Zahl der evangelischen Gemeindemitglieder von 800 auf rund 5.000 angewachsen. Das bedingte die Bildung eines eigenen Pfarrbezirkes.“ [4]
Die evangelischen Schulkinder gingen in die Fichteschule an der Horststraße bis 1955 die ersten evangelischen Schulkinder in das Schulgebäude an der Alten Wipperfürther Straße 49 ein- bzw. umgeschult wurden. Im Gegensatz zu den Kindern an der katholischen Volksschule, wo Jungen und Mädchen getrennt unterrichte wurden, wurden in der evangelischen Volksschule Jungen und Mädchen gemeinsam im vorderen weißen Gebäude unterrichtet. Im hinteren Gebäude wurden nur die Aula und Räume im Kellergeschoß genutzt. U. a. wurde evangelische Religion in einem der Kellerräum von Frau Brand unterrichtet, die auch im Pfarrbezirk verschiedene Jugendkreise leitete.
Die andren Räume wurden von der römisch – katholischen Volksschule genutzt. Die römisch – katholische Volksschule war im Gegensatz zur evangelischen Volksschule in Jungen- und Mädchenklassen untereilt. Die Mädchen hatten den Schulhof und den Eingang zur Guilleaumestraße, während die Jungen und auch die evangelische Volksschule den Eingang zur Alten Wipperfürther Straße nutzten.
Als die Anzahl der Schulkinder weiterwuchs, wurde Klassenräume Mangelware und es wurden zwei mobile Einheiten mit je zwei Klassenräumen aufgebaut, die an der Mauer zur Mauritiuskirche standen. Die Räume wurden von der evangelischen Volksschule genutzt. Diese Räume wurden mit Öl beheizt, was stark roch, wenn nicht gestunken hat.
Die Pfarrbezirke Buchforst und Buchheim wurden 1959 [5] als eigener Pfarrbezirk aus dem Pfarrbezirk
Mülheim-Süd ausgegliedert, gehörten aber weiterhin zur Gemeinde Mülheim am Rhein. Die Gottesdienste für Erwachsene und Kinder des Pfarrbezirks Buchheim wurden in der Aula der Volksschule Alte
Wipperfürther Straße 49 gehalten. Für ältere Gemeindemitglieder war dies schwierig, da die Aula im Dachgeschoß liegt. Pfarrer wurde Herr Heinz Aubel, der auch schon kurz vorher im Andreae – Haus
seinen Dienst versah und dort auch noch seinen Wohnsitz hatte.
Gruppenarbeit konnte weiterhin nur im Andreae – Haus stattfinden. Hierzu zählten der Männerkreis gemeinsam mit Buchforst, zwei Frauenkreise und der Helferkreise für den Kindergottesdienst, sowie
je ein Kreis für die weibliche und männliche Jugend.
Weitere Jugendarbeit wurde vom CVJM (Christlicher Verein Junger Männer) wahrgenommen. Hierzu zählten die Gruppen: Jungmännerkreis und Bibelarbeitskreis (jeweils 17 – 35 Jahre) und die
Jungenschaft „Paul Humburg“
(14 – 17 Jahre), sowie die Jungschar „Cherusker“ (10 – 14 Jahre). [6]
Paul Humburg wurde 1878 in Mülheim am Rhein geboren und war u. a. Präses (Vorsitzender) des CVJM – Westbund und der Bekenntnissynode der
Kirchenprovinz Rheinland.
- Evangelisches Zentrum mit Schule, Kirche und Kindergarten
1962 zog die evangelische Volksschule in das neue Gebäude an der Alten Wipperfürther Straße 215 (heute - Wuppertaler Straße 17 - ist die Nelson – Mandela – Schule in diesem Gebäude) um. Mit einem prozessionsähnlichen Umzug zogen wir klassenweise über die Alte Wipperfürther und Herler Straße. Je nach Alter bekamen wir einen Papierkorb, Kartenständer oder sonstigen Gegenstand in die Hände gedrückt. 1967 erhielt dieser Straßenteil den Namen Wuppertaler Straße. Hier gab es dann auch eine Sporthalle. Schul- und Umzugsleiter war Herr Hempel. Auch Frau Ingrid Zimmermann wechselte mit. Viele Buchheimer Kinder werden sich noch an sie erinnern. Später nach der Aufteilung in Grund- und Hauptschule wechselte sie an die Gemeinschaftsgrundschule Ahl Wipp bis sie in Ruhestand ging.
Abb. Eingang der evangelischen Volksschule Alte Wipperfürther Straße 215
Foto G. Pröhl
Im Vorlauf der römisch – katholischen Volksschule An Sankt Theresia wurden Schulkinder von der Alten Wipperfürther
Straße 49 in die Alte Wipperfürther Straße 215 ausgegliedert. Nach der Fertigstellung des Schulgebäudes an der Straße An Sankt Theresia mussten die Schulkinder wieder umziehen.
Durch die Schulreform wurde die Volksschule in Grund- und Hauptschule unterteilt. Viele Konfessionsschulen wurden Gemeinschaftsschulen. An der ehemaligen römisch - katholischen Volksschule An Sankt Theresia wurden eine römisch - katholische (KGS) und eine Gemeinschafts – Grundschule (GGS) eingerichtet. Die Schulkinder ab dem fünften Schuljahr mussten zu uns in die neue Gemeinschafts- Hauptschule an der Alten Wipperfürther Straße, die dann auch noch in Wuppertaler Straße umbenannt wurde. Die Schulkinder bis zur vierten Klasse müssten dann je nach Wohnstraße entweder zur Alten Wipperfürther Straße in GGS oder KGS bzw. in die Grundschulen An Sankt Theresia gehen.
Nach Fertigstellung der evangelischen Volksschule 1962 fanden nun in der Aula die evangelischen Gottesdienste für Buchheim statt.
Am dritten Adventssonntag 1962 wurde die evangelische Kreuzkirche eingeweiht und so stand den Buchheimer Evangelischen zum ersten Mal ein eigenes Gotteshaus zur Verfügung. An der Dellbrücker Straße war das Pfarrhaus mitgebaut worden. Um das Kirchenzentrum zu finanzieren wurden „Bausteine“ verkauft. Das waren Papiere mit verschiedenen Werten (Mindestwert DM 5,-). Diese waren dann Quittungen mit dem Bild von Bausteinen.
Nebenan ist am 1. Adventssonntag 1963 das Gemeindehaus / Jugendheim in Betrieb genommen worden. In dem Neubau waren das Pfarrbüro, die Küsterwohnung im Obergeschoß und das Jugendheim im Erdgeschoß und Keller beherbergt. Durch diese räumlichen Möglichkeiten entwickelten sich viele Gruppen, die bereits entstanden waren aber auch neue.
Das Gemeindeleben konnte sich frei entfalten. Neben Kirchenchor und Frauenhilfe, sowie Alten- (Senioren-)kreis gab es auch Kinder- und Jugendgruppen. Auch der CVJM (heute Christlicher Verein Junger Menschen) gehörte mit verschiedenen Gruppen dazu.
Der kirchliche Unterricht gliederte sich in je ein Jahr Katechumenen- und Konfirmandenunterricht, wobei anfangs Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet wurden. Nach jedem Jahr gab es Prüfungen. Nach der Katechumenenprüfung wechselten die Kinder von dem Kinder- in den Erwachsenengottesdienst. Nach der letzten Prüfung wurden die Kinder bzw. Jugendlichen konfirmiert und durften am Abendmahl teilnehmen. Außerdem war man jetzt „richtiges“ Gemeindemitglied und konnte als Taufpate Verantwortung übernehmen und ist ab dem 16. Lebensjahr aktiv wahlberechtigt, d. h. man kann das Presbyterium wählen; ins Presbyterium gewählt werden kann man ab dem 18. Lebensjahr.
Tatkräftige Unterstützung erhielt Herrn Aubel als Pfarrer auch von seiner Ehefrau, die auch noch an der Hauptschule evangelischen Religionsunterricht gab.
Von 1963 bis 1979 war Rita Herche geb. Pfannkuchen, Gemeindehelferin und Pastorin. Sie zog später um nach Radevormwald und wurde Pfarrerin in Remscheid.
Am dritten Adventssonntag 1967 wurden die Glocken im bereits mit dem Kirchengebäude errichteten Glockenturm in Dienst genommen.
Zum 1.1.1968 wurden die Pfarrbezirke Buchforst und Buchheim aus der Gemeinde Mülheim am Rhein ausgegliedert und bildeten die neue Evangelische Kirchengemeinde Buchforst – Buchheim (heute: EKiBuBu).
Da die Mitgliederzahlen weiter stiegen wurde Buchheim in die Pfarrbezirke Buchheim - Nord und Buchheim – Süd geteilt. Die Grenze verlief an der Caumannsstraße – Hochmeisterstraße – Kieppemühler Straße, wobei letztere ganz zu Buchheim – Nord gehörte. In Buchheim – Süd war auch schon ein Gelände für eine zweite Kirche geplant. Auf diesem Gelände steht heute die Sporthalle an der Ecke Kattowitzer / Beuthener Straße. Als Herr Aubel, der Pfarrer im Pfarrbezirk Buchheim – Nord, später von der Kreissynode zum Superintendenten des Kirchenkreis rrh. gewählt wurde, wurde die Bezirksgrenze nach Norden verschoben. Nun war die Grenze die Herler Straße. Später wurde Herr Aubel von der Verbandsvertretung zum Stadtsuperintendenten aller vier Kölner Kirchenkreise - zusammengeschlossen zum Stadtkirchenverband Köln, gewählt. Herr Heinz Aubel hat in seiner langjährigen Tätigkeit den Pfarrbezirk und die Gemeinde in Buchheim aufgebaut und nachhaltig geprägt.
In der evangelischen Kirche werden die Pfarrer und Pastoren, die den Dienst in der Gemeinde tätigen, vom Presbyterium gewählt.
{Für den Pfarrbezirk Buchheim – Süd waren als Pfarrerinnen Frau Ilse Renkhoff. Sie wurde am 12. Januar
1969 von Superintendent Erwin Mielke in ihr Amt eingeführt.} Ihr folgte Frau Monika Schützeberg (1979 / 80), sowie Pastor Reinhold Brahm (1980 – 1997) nach einander tätig.
Frau Ilse Renkhoff hatte als erste Frau im Dienst einer Pfarrerin in Buchheim einen schweren Stand. Frau Monika Schützeberg, die für die Altenarbeit zuständig war, war auch gerne in der Teil –
Offenen – Tür als Gast gesehen worden. Sie ging nach Düsseldorf und arbeitete in der Telefonseelsorge und später in der Frauenberatungsstelle. Herr Reinhold Brahm, der inzwischen auch im
Ruhestand ist, war nach seiner Buchheimer Tätigkeit in Remscheid und wohnt heute in Köln - Raderberg.
Dr. Rudolf Roosen, geb. Fleischer, früher Wuppertal und Bergisch Gladbach, war von Oktober 1998 bis zu seiner Entpflichtung Ende 2019 erst in Buchforst und dann in Buchheim als Pfarrer tätig. In seine Zeit fielen die Jubiläen zu 40 und 50 Jahre Kreuzkirche. Als seitens der römisch – katholischen Kirche keine Möglichkeit bestand, für die Sankt Hubertus Schützengilde Buchheim einen Patronatsgottesdienst zu feiern, ist er eingesprungen und hat in der Kreuzkirche über St. Hubertus gepredigt.
Seit März 2020 ist Christoph Rau als „Pfarrer im Übergang“ für die Gemeinde Buchforst – Buchheim tätig. Herr Torsten Krall, Pfarrer in Köln-Dünnwald, ist seit August 2020 ebenfalls als Pfarrer vor Ort ansprechbar.
Zwischenzeitlich waren mehrere Theologen im Rahmen ihrer Ausbildung als Vikare bzw. Pfarrer zur Anstellung in Buchheim tätig (u. a. Dietrich Kamphenkel, Volkher Preis). Neben den bereits genannten Gemeindeaktivitäten wurde 1976 ein Kreis junger Erwachsener gegründet und eine Teil – Offene – Tür eingerichtet. In dieser Zeit entwickelten sich ökumenische Kontakte zwischen den Jugendlichen der Kreuzkirche und der römisch – katholischen Sankt Theresia Pfarrei.
Zuvor gab es kurze Kontakte mit den Jugendlichen von der römisch – katholischen St. Mauritius Pfarrei. Die Jugendorganisation einer Partei verteilte Flugblätter auf denen stand, dass für Jugendliche in Buchheim nichts los sei. Mit einem gemeinsamen Schreiben teilten die Mitarbeiter der kirchlichen Kinder- und Jugendgruppen der Jugendorganisation mit, dass jeden Tag in den Kirchengemeinden etwas stattfindet. Die Beantwortung ließ nicht lange auf sich warten. Man entschuldigte sich und war erstaunt, dass doch einiges in Buchheim los war.
Am 16.6.1974 wurde der evangelische Kindergarten, Stegwiese 41, eingeweiht. Die erste Leiterin, Frau Hartung, war jahrelang eine prägende Persönlichkeit. Seit 1.1.2019 wird die Kindertagesstätte „Kleine Arche“ vom Trägerverbund des Kirchenkreises Köln rechtsrheinisch betreut.
Im Jahr 1975 begann die Patenschaft mit der evangelischen Gemeinde Booßen bei Frankfurt / Oder in der damaligen DDR. Die Besuche waren leider nur einseitig, da die DDR – Bürger nicht in die BRD reisen durften.
Aufgrund des mehr benötigten Platzes - vor allem für größere Veranstaltungen - erhielt das Gemeindehaus
einen Anbau: 1990 wurde der Grundstein für einen Saal („Kreuzsaal“) - dessen Name sich allerdings nicht durchsetzte – gelegt und 1991 fertiggestellt.
In den 1980er Jahren entstand der Ökumenekreis aus römisch – katholischen und evangelischen Christen, die
sich mit Bibelarbeit betätigten und seit 1992 auch die ökumenischen Gottesdienste bzw. Gebetstunden vorbereiten. Später kam auch ein Vertreter der alt – katholischen Kirche dazu.
{Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen gestaltete am 25.1.2014 neben dem evangelischen Ortspfarrer Herrn Dr. Rudolf Roosen auch Herr Jürgen Wenge, alt – katholischer Pfarrer in
Köln und Generalvikar im Katholischen Bistum der Alt –Katholiken den ökumenischen Gottesdienst. Geistliche der römisch – katholischen Kirchen nahmen an dem ökumenischen Gottesdienst nicht
teil.}
In der Gemeinde bildete sich 1993 der ökumenische Arbeitskreis Kalungu. Der baptistische Kirchenkreis liegt in der Demokratischen Republik Kongo, der ehemaligen belgischen Kolonie, und besteht aus 16 Gemeinden. Neben Buchforst – Buchheim beteiligten sich noch sechs weitere Gemeinden des Kirchenkreis Köln rechtsrheinisch an einer Partnerschaft. Gegenseitige Besuche haben auch stattgefunden. In diesem Zusammenhang fand 2006 ein ökumenischer Gottesdienst mit Vertretern aus Kalungu statt.
Die Anzahl der evangelischen Gemeindemitglieder verringerte sich im Laufe der Jahrzehnte so stark, dass nach dem Eintritt von Herrn Aubel in den Ruhestand die beiden Buchheimer Pfarrbezirke wieder vereint wurden.
Leider wurde mit der Zeit das Interesse an kirchlichen Veranstaltungen immer weniger, so dass die Gruppen immer kleiner wurden und sich auch teilweise auflösten.
Aus Kostengründen musste 2005 die Auferstehungskirche in Buchforst entwidmet werden, Pfarrerin war dort zu diesem Zeitpunkt Frau Andrea Stangenberg - Wingerning. Heute ist sie als Pfarrerin in Köln - Ostheim und Neubrück tätig. Die GAG bebaute das Gelände und aus der Auferstehungskirche wurde die Kulturkirche - Ost. Hierdurch erhielt die evangelische Kirchengemeinde Buchforst – Buchheim weiterhin die Möglichkeit in der Auferstehungskirche Gottesdienste zu feiern.
2015 wird das Gemeindezentrum in Buchheim an die Antoniter Siedlungsgesellschaft verkauft, die dort nach Um- und Anbau 2017 das neu gegründete Verwaltungsamt des Kirchenkreises Köln rechtsrheinisch ansiedelt. Das nicht mehr benötigte Pfarrhaus an der Dellbrücker Straße wird zum Gemeindehaus für die unterschiedlichen Aktivitäten der Gemeindearbeit umgebaut.
Dem Kirchenkreis gehören 18 Gemeinden aus dem rechtsrheinischen Köln und dem Bergischen Land an.
Neben den Kindertagesstätten unterhält der Kirchenkreis auch Patenschaften in Taiwan, Brasilien und der DR Kongo (Kalungu). [7]
Anmerkungen / Quellen:
[1] 400 Jahre evangelisch in Mülheim am Rhein 1610 – 2010, Herausgeber: Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein, VMZ – Verlag Winrich C. Clasen Rheinbach
[2] http://www.kirche-koeln-muelheim.de/index.php?id=83
[3] https://www.baukunst-nrw.de/objekte/Luther-Notkirche-Koeln--2697.htm
[4] 40 Jahre Kreuzkirche, Heinz Aubel.
[5] In der Broschüre Buchheim – Vom Mittelalter bis zur Neuzeit – 11. Schulwesen steht auf
Seite 34, dass der Pfarrbezirk Buchheim 1953
ausgegliedert wurde. Ein Tippfehler.
[6] 350 Jahre evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein, 1610 – 1960. Die heutige
Gemeinde und ihre Einrichtungen, V. Die sieben
Pfarrbezirke, Mülheim – Süd, Seite 89
und Buchheim Seite 92, sowie Buchforst Seite 93 –
96. Essener Druckerei Gemeinwohl
[7] https://www.kirche-koeln.de/ueber-uns/kirchenverband-koeln-und-region/wer-wir-sind/
50 Jahre Kreuzkirche Buchheim 1962 – 2012
https://www.ekibubu.de/wp-content/uploads/2015/12/festschr_mit_ergaenzg.pdf
(GP)
Jugendhaus TREFFER
Im Jahr 2008 konnte das offene Jugendhaus TREFFER, in Trägerschaft des evangelischen Diakonischen Werkes Köln und Region, seine Pforten für die Buchheimer Jugend öffnen. Es befindet sich im ehemaligen katholischen Vereinsheim in der Guilleaumestr. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten stehen den Jugendlichen dort seitdem, in sehr ansprechender Atmosphäre, vielfältige Möglichkeiten und ein tägliches buntes Programmangebot offen.
So gibt es eine Küche in Gastronomiestandard für das tägliche gemeinsame Kochen sowie bedarfsgerechte Räume, etwa zum
Tanzen, zum ‚Chillen‘, für Beratungen oder das vielfältige Bildungsangebot. Es gibt regelmäßige attraktive ‚Workshops‘ (Arbeitskreise) im musischen, kulturellen, medienpädagogischen und
sportlichen Bereich, die den Jugendlichen kostenlos offenstehen. So können sie sich z.B. im Nähen / Textilgestaltung, im Rap / Tonstudio, bei den digitalen Angeboten des ‚Tech-TREFFS‘, dem
täglichen gemeinsamen Kochen oder auch beim Tanzen, Fußballspielen und dem Parcour - Training ausprobieren. Beratungen und Unterstützungen in der beruflichen Orientierung runden das Angebot
ab.
Abb. Eingangsbereich des Jugendhaus Treffer Foto: Treffer
Besonders viel Wert wird auf ein von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägtem Miteinander der Jugendlichen gelegt. Inhaltliche Themen sind immer wieder Demokratie und die Grundwerte unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Hierfür stehen auch der ‚Schirmherr‘ des TREFFERs, Heinrich Böll, sowie das prägende Motto ‚Love Life!‘
Die Angebote des TREFFERs finden nicht nur im Jugendhaus sondern auch auf den Buchheimer Orten und Plätzen statt. So gibt es regelmäßige sportliche Angebote auf der ‚TREFFArena‘ (An St. Theresia / Wichheimer Straße), Kunstprojekte auf dem ‚Kunstacker‘ (Dellbrücker / Ecke Ackerstr.) sowie vielfältige besondere Aktionen und Projekte.
Seit Jahren werden schon die U 16 / 18 – Wahlen durchgeführt, bei denen man erkennen kann, dass auch Jugendliche politisch interessiert sind und wohin sie tendieren. Die Ergebnisse sehen oft anders aus als bei den Wahlberechtigten.
Die ‚TREFFArena‘, die sich, nach ihrer Eröffnung in 2019, zu einem lebendigen und bunten Buchheimer Platz entwickelt hat, geht auf Ideen und Planungen der Jugendlichen zurück, die sie in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt entwickelt haben!
Das Musiknetzwerk „Sounds of Buchheim“ ist auch im „Treffer“ zu Hause.
Anmerkungen / Quellen
https://www.treffer-buchheim.de/
Straßennamen in Buchheim beschlossen durch den Rat der Stadt Mülheim am Rhein von 1895 bis zur Eingemeindung 1914
Die Ackerstraße erhielt ihren Namen 1901 auf Grund eines Beschlusses von 1895 und erinnert an die Äcker in Buchheim. Nachdem der Buchenforst in der Ebene gerodet war, wurde der Boden in fruchtbares Ackerland umgewandelt. Weil diese Straße parallel zur Eisenbahn führte, hatte sie früher den Namen Parallelweg
Abb. 1 Radrennen 1964 auf der Ackerstraße, Veranstalter RC Staubwolke
Foto: G. Pröhl
Arnsberger Straße
Die Arnsberger Straße beginnt an der Kirchgasse, direkt neben der Eisenbahnunterführung und läuft wenige Meter parallel zur Güterzugstrecke. Dieses Teilstück gehörte vor der dortigen Bebauung zur Ackerstraße. Davor war hieß sie Körnerstraße.
Anschließend biegt die Straße rechtwinklig ab (dieser
Teil hieß früher Uhlandstraße)
und überquert die Frankfurter
Straße und endet am Elisabeth
- Schäfer - Weg. Das letzte Teilstück hieß
früher Klosterstraße.
Die Strecke von Deutz (Gummersbacher Straße) nach Wipperfürth führte über und Kalk (Wipperfürther Straße) – Buchforst (Kopernikusstraße) – Buchheim (Alte Wipperfürther, sowie Wuppertaler Straße)
B 506 – Hand – Romaney. Hinter Wipperfürth führt die Strecke weiter nach Arnsberg.
Abb. 2 Blick auf vom Elisabeth – Schäfer – Weg über den Arnsberger Platz zur Arnsberger Straße. Der Platz bevor er als Kirmes und Schützenfestplatz genutzt wurde. Rechts das frühere Arbeitsamt. Das Gebäude ist heute Teil des Schulzentrums Buchheim.
Am 9.4.1913 wurde der Straßenname beschlossen.
Arnsberg
ist ein Luftkurort im Sauerland und Regierungsbezirk
in Westfalen.
Die Besiedlung geht bis ins 11. Jahrhundert zurück.
Graf Gottfried IV. war der letzte Graf von Arnsberg, denn er verkaufte seine Grafschaft 1368 an den Kurfürsten von Köln, was das dortige Erzbistum in seinem Bemühen stärkte, ein geschlossenes rheinisch-westfälisches Territorium zu schaffen. Die Stadt war zur Zeit der kurkölnischen Herrschaft Residenz der Kölner Erzbischöfe im Herzogtum Westfalen. [1]
Das Kölner Domkapitel floh 1794 vor den französischen Truppen nach Arnsberg. [2] Nach Beschlüssen es Wiener Kongresses fiel Arnsberg, wie auch das Rheinland an Preußen.
Brandgasse
Auf Grund eines Beschlusses vom Oktober 1888 wurde die
Israelsgasse in Brandgasse umbenannt. Die Brandgasse verband die Kirchgasse
mit der Arnsberger
Straße hinter den Gebäuden Frankfurter
Straße 112 – 120.
Die Straße wurde nach 1945 zugebaut. In diesem Bereich hat der Schießstand der Buchheimer Hubertus - Schützen gelegen.
Der Straßenname wurde im Dezember 1968 aufgehoben, da die Straße nicht mehr bestand.
Danielspfädchen
Das Danielspfädchen begann an der
Frankfurter
Straße und endete am Bahndamm des
Güterbahnhofs Kalk - Nord. Vor der Eisenbahntrasse führte der Weg weiter nach Kalk. Mit dem Bau der Stadtautobahn
wurde die Germaniastraße von Höhenberg aus verlängert
und teilweise auf der Trasse des Danielspfädchens an die Frankfurter Straße herangeführt. Auf der Ecke mit der Frankfurter Straße steht die Villa
der ehemaligen Brotfabrik Müller.
Der Name der Straße steht auf Karten aus den Jahren 1876 und 1968.
Vermutlich wurde der Pfad nach Johann Anton Servatius
Daniels (gest. 16.7.1819 im 58. Lebensjahr) benannt Er war Kellner zu Bensberg, sowie Oberschultheiß, Oberrichter am Kreisgericht Mülheim am Rhein. Daniels war ein wohltätiger Mensch.
[3]
Deutschordensstraße
Die Deutschordensstraße wurde 1901 beschlossen.
Bruderschaft von 1190, wurde 1199 vom Papst als
Ritterorden anerkannt. Sie eroberten, besiedelten und germanisierten das Baltikum (Ostpreußen, Teile von Litauen, Lettland, Estland) und Winrich von Kniprode
wurde 1351 zum Hochmeister
des Deutschen
Ordens gewählt. 1809 erklärte Napoleon den
Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst. Seit 1834 als Priester- und Schwesternorden in der Mission, Kranken- und Altenpflege tätig.
Geplant war die Straße von der (Bergisch) Gladbacher Straße (Steeger Straße) weiter über den ersten Teil der Dombacher Straße. Im weiteren Verlauf sollte sie die verlängerte Hochmeisterstraße und
die nicht gebauten Straße Kreuzstraße - Ritterstraße und Klosterstraße verbinden.
Der Deutsche Orden besaß früher einen Hof im Mülheim - Buchheimer Gebiet.
In der Deutschordensstraße lebte das CDU -
Ratsmitglied Elisabeth Schäfer.
Fürstenstraße
Die Fürstenstraße verbindet die Malteser- mit der Hochmeisterstraße und wurde 1901 geplant.
Fürst bedeutet „der Vorderste“, „der Vornehmste“, Führer von Völkern. Sie waren reichsunmittelbare Regenten mit Stimmrecht im Reichstag. [4]
Die Namensgebung ist als Ehrung von Otto Eduard Leopold von Bismarck - Schönhausen gedacht. Er war Ehrenbürger der Stadt Mülheim und wurde 1865 in den Grafenstand erhoben. Durch den deutsch - östereichen Krieg 1866 wurde das preußische Staatsgebiet erweitert. Nach dem Ende des deutsch – französischen Krieges folgte 871 die Erhebung (Fürstung) in den Fürststand. Als Politiker war er maßgeblich an der Gründung des (Klein-) Deutschen Reiches, also ohne Österreich – Ungarn, beteiligt und wurde dessen erster Reichskanzler. Da es bereits in Mülheim eine Bismarckstraße (heute Rhodiusstraße) gab, konnte es eine Straße mit gleichen Namen nicht in Buchheim geben.
Germaniastraße
1901 - Die Germaniastraße führt von der Olpener Straße in Höhenberg zur Gothaer Straße und hieß früher Germaniaweg. Weiter nordöstlicher Richtung führte ein kleiner Pfad, der Ende der 1950er / Anfang der 1960er ausgebaut wurde und etwa gegenüber der damaligen Beuthener Straße auf der Frankfurter Straße endete. Später, als die Stadtautobahn gebaut wurde, wurde sie geradlinig verlängert und das Danielspfädchen wurde mit einbezogen.
In diesem Viertel stand das große Eisenwerk "Germania".
„Eine noch viel größere Anlage [Anm.: vorher wird ein großes Sägewerk in Kalk erwähnt] war die des Hochofenwerks Germania auf Buchheimer Gebiet, am Ostende von Kalk. Drei gewaltige Hochöfen mit den notwendigen Wind – Erhitzern und Gebläse – Maschinen, Gießhallen und sonstigen Nebengebäuden erhoben sich hier. Fünf hohe Schornsteine, die erst vor kurzem dem Bau des neuen Umladebahnhofes Kalk – Nord weichen mußten, waren Zeugen von großen Hoffnungen, welche man auf die >Germania< setzte.
Wie man erzählt, soll Neuerburg, einer der Gründer des
Werkes, den Gedanken gehabt haben, einen Kanal vom Rheine durch den früheren Rheinarm am Gremberg, Vingst und Höhenberg vorbei bis Mülheim zur Ausführung zu bringen.“ [5]
Diese Firma baute in der Umgebung auch Arbeiterunterkünfte. An der Germaniastraße stand 1906 die katholische Volksschule VII der Stadt Mülheim, also die zweite Buchheimer Volksschule. Das Gebäude
war ein altes Bürogebäude des früheren Eisenwerkes Germania. Später wurde dieses Gelände für den Bau des Güterbahnhofes Kalk – Nord benötigt. Die Schule wurde an die Frankfurter Straße gegen über
dem Friedhof Mülheim verlegt.
1910 siedelte der Mülheimer Sport Verein 1906 aus dem heutigen Bereich der oberschlesischen (Weiße) Siedlung auf die andere Seite der Frankfurter Straße und errichtete erstmalig eine überdachte Tribüne. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg musste sich der MSV 06 einen neuen Platz suchen, da der jetzige in den städtischen Bebauungsplan für die Germaniasiedlung einbezogen wurde. So zog der MSV im Jahr 1919 an die Bergisch Gladbacher Straße / Herler Ring. [6]
Das Gelände, das heute unter dem Namen
Germaniasiedlung bekannt ist wurde zum 1.4.1929 aus Buchheim ausgegliedert und dem neugegründeten Ortsteil Höhenberg zugeteilt.
Die Straßennamen in der Germaniasiedlung sind wegen der römisch – katholischen Sankt Elisabeth Kirche (sie wurde der Elisabeth von Thüringen geweiht) mit thüringischen Namen versehen worden.
Außerdem zählen die Thüringer zu den Germanen. 1920 wurde aus den ehemaligen sächsischen Fürstentümern das Land Thüringen gebildet.
Germanen
ist der Sammelbegriff für verschiedene Völker
(Sugambrer, Ubier, Franken, Teutonen, Goten, Angel, Sachsen, Thüringer u. a.) in Mitteleuropa, die schon vor der Zeitrechnung den Mülheimer Bereich besiedelten. In der englischen Sprache deutet
der Name Germany für Deutschland noch hierauf hin.
Zu den germanischen Völkern zählen neben den Deutschen noch: Niederländer (Flamen), Engländer, Dänen, Norweger, Schweden und Isländer.
Die Germania wurde Symbolfigur für Germanien bzw. Deutschland. Bekanntestes Germania Denkmal ist das Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein.
Heidelberger Straße
Die Heidelberger Straße (Gemeindestraße G 53) führt
durch das Gebiet des früheren Buchheimer Hofes. Die Gütereisenbahnbrücke ist die Grenze zwischen Buchforst und Buchheim. Der Name wurde am 9.4.1913 beschlossen.
Die Straße zerteilt das Gebiet (heute Buchforst), welches 1897 /98
vom Buchheimer Hof verkauft und als Bauland zur Verfügung gestellt wurde. [7]
Die Straße wurde 1907 fertiggestellt, in deren Mitte die Vorortbahnlinie C von Cöln nach Bergisch Gladbach fuhr. Der frühere Name war Buchheim - Deutzer Weg.
Zwischenzeitlich wurde sie Weißenburger Straße genannt. Die elsäßische Stadt Weißenburg wurde durch den deutsch – französischen Krieg deutsch.
Am 4. August 1870 verloren hier die Französen gegen Truppen aus Bayern, Württemberg, Baden und Preußen.
Heidelberg
ist eine Großstadt am Neckar in Baden und wurde im 12.
Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jhd. wurde das Schloss erbaut und 1386 wurde hier die erste Universität auf heutigem deutschem Staatsgebiet gegründet. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg
wurde Stadt und Schloss erheblich zerrstört. Nachdem Frieden von Rijswijk 1697 begann der Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, der auch Herzog von Jülich – Berg (Jan Wellem) und Besitzer des
Heidelberger Schlosses mit dem Aufbau der Stadt. Da das Schloss war unbewohnbar residierte Jan Wellem überwiegend in Düsseldorf.
Robert Wilhelm Bunsen erfand 1859 in Heidelberg die Spektroskopie. Nach ihm ist auch eine Straße im nordöstlichen Buchforst benannt.
Die Hochmeisterstraße wurde 1902 im Bebauungsplan beschlossen. Im Bebauungsplan war geplant die Hochmeisterstraße weiterzuführen. In diesem Bereich heißt sie heute Kieppemühler Straße.
Der Hochmeister ist seit 1190 der oberste Leiter des Deutschen Ordens. In anderen Ritterorden war dies der Großmeister oder Generalsuperior. Einer der Hochmeister war Winrich von Kniprode.
Johanniterstraße
Im Jahre 1902 wurde im Bebauungsplan u. a. die Anlegung dieser Straße beschlossen.
Sie sollte von der Frankfurter Straße bis zur Steeger Straße verlaufen. Der Teil zwischen Malteserstraße und Herler Straße war teilweise vor dem Zweiten Weltkrieg bebaut. Die Hausnummern 32 - 36 wurden 1956 bezugsfertig. Die Hausnummer 38 und die Ecke zur Herler Straße 1957 bzw. 1958. Etwas später entstand die Bebauung zwischen Tempelherren= und Dellbrücker Straße. Die Gebäude hinter der Herler Straße wurde Anfang der 1960er Jahre von der Deutschen Bundespost errichtet.
Abb. 3 Die Johanniterstraße kreuzte die Herler Straße ohne Verschwenkung. Foto: G. Pröhl
Zur Entschärfung der Verkehrssituation wurde die Johanniterstraße vor der Herler Straße nach links (westlich) und hinter der Herler Straße nach rechts (östlich) verlegt. Außerdem wurde die Weiterführung der Alten Wipperfürther Straße, die neben dem Herler Eck war weiter von der Kreuzung Richtung Tempelherrenstraße verlegt (an der Stelle war früher eine metallverarbeitende Firma) und in Wuppertaler Straße umbenannt. Außerdem wurde die Fahrbahn= breite der Herler Straße durch eine Verkehrsinsel mit Parkplätzen verringert. Zudem wurden auch die Gaslaternen durch Leuchtstofflampen ersetzt.
Abb. 4 Blick Richtung Dellbrücker Straße 1967 nach dem Umbau der Kreuzung mit der Herler Straße. Foto: G. Pröhl
Die Johanniter sind der ältester Ritterorden und wurden unter dem Namen „Ritterlicher Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem“ gegründet.
1048 von Kaufleuten aus Amalfi gegründet und 1113 als Gemeinschaft vom Papst bestätigt und nennt sich jetzt "Orden Sankt Johannis vom Spital zu Jerusalem". Einhundert Jahre nach ihrer Gründung ließen sich die Johanniter auch in Herkenrath und 1217 in Bensberg nieder. Im 15. Jahrhundert gründeten sie in Strunden eine Niederlassung, welches anschließend Herren= strunden hieß.
Die Auflösung des Templerordens (1513) und dessen reicher Besitz brachte den Johannitern weiteren Machtzuwachs. 1524 wurde der Sitz nach Malta verlegt und erhielt 1530 den Namen Malteserorden. Nach der Reformation wurde der Johanniterorden von der evangelischen Kirche belegt und der Malteserorden von der römisch - katholischen. 1777 vereinte sich der Johanniterorden mit dem Antoniusorden (Antoniter) und wurde 1806 aufgelöst.
1842 wurde als evangelische Nachfolgeorganisation der „Preußische Johanniterorden zur Krankenpflege“ gegründet. Heute gibt es die: Johanniter – Schwesternschaft, die Johanniter – Hilfsgemeinschaft (JHG) und die Johanniter - Unfall - Hilfe (JUH), sowie die Johanniter - Allianz.
Piccoloministraße
Die Piccoloministraße hieß im Buchheimer Teilbereich Piccolominischer bzw. Schwedenweg. Am Anfang ist Fort XI mit Grünanlage (geplanter Buchheimer Park) und Sportanlagen. Die Namensänderung wurde am o9. April 1913 beschlossen.
Während des 30 - jährigen Krieges (1638) soll
Octavio
Reichsfürst Piccolomini - Pieri, Herzog von Amalfi (1599 - 1656) [8] in der Nähe dieser Straße in Schweinheim
(Holweide) gelagert haben, bevor seine Truppen Mülheim erobert und ausgeplündert haben. Piccolomini ist ein altes italienisches Adelsgeschlecht. Von Friedrich Schiller wurde das Stück
„Wallenstein“, in dem das mittlere der drei Stücke „Die Piccolomini“ geschrieben. Es wurde im Jahr des 200. Geburtstages von Piccolomini uraufgeführt.
An der Ecke zum Mülheimer Ring stehen zwei große Gasbehälter, die den Gasdruck im Netz stabilisierten. Inzwischen sind sie nicht mehr in Betrieb.
Abb. 5 Gasbehälter Piccoloministraße / Mülheimer Ring – Foto: G. Pröhl
Anmerkungen / Quellen:
- [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Arnsberg#Mittelalter
- [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Arnsberg#19._Jahrhundert
- [3] Tagebuch Bertoldi 1802 – 1824 – Mülheim am Rhein in der
Franzosenzeit, Johann Bendel, 1925
- [4] Def.
gem. Der große Brockhaus Band 6 (I – GAR) Leipzig 1930,
15. Auflage, Seite 690 Fürst
- [5] Heinrich Bützler, Geschichte von Kalk und Umgebung, Bilder aus
alter
und neuer Zeit. 1910
- [6] 25 Jahre MSV 1906 – 1931, Festschrift des Mülheimer Sport -
Verein
1906 e. V. Köln – Mülheim zum Jubelfest Mai 1931,
Buchdruckerei
Karl Glitscher, Köln - Mülheim
- [7] E. Platz, Geschichte des jüngsten Vorortes der Stadt Köln /
Köln –
Buchforst, Verlag und Druckerei Math. Burgwinkel, Köln
[8] Der große Brockhaus Band 14 (OSU – POR) Leipzig 1933,
15. Auflage, Seite 554, Piccolomini
[9] Stadt Köln, - 235 – 1, Straßenbenennungen und
Sonderprojekte,
Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster, u. a.
Herr Wolfgang Buchholz
Groß - Buchheim
Der südliche Teil von Mülheim 1 zwischen Eisenbahndamm und Frankfurter Straße wurde zum 1. 4. 1927 (nach Ratsbeschluss von 1926 und Genehmigung des Regierungspräsidenten vom 29.1.1927) aus Buchheim ausgegliedert und mit Teilen von Merheim 16, sowie Vingst 29 und 30 zum neuen Vorort Höhenberg vereint. Nach Ratsbeschluss vom 15.7.1954 wurde der Teil zwischen Grüner Weg (heute Stadtautobahn B55 A) und Höhenberger Ring, also das Gelände des Mülheimer Friedhofs auch von Buchheim ausgegliedert und Höhenberg zugeordnet. [1]

[Die dicken schwarzen Linien sind die Gemarkungsbezirke.
4967 - Mülheim --- 4968 - Wichheim-Schweinheim --4969 Merheim (rechtsrheinisch) -- 4970 - Kalk
Die dünnen schwarzen Linien trennen die Unterbezike ab.
Mülheim 1 und 2, das frühere Buchheim und 3 bis 6 das frühere Mülheim.
Wichheim-Schweinheim 7 und 8 zu Wichheim.
Merheim 16 heute Höhenberg-Ost.
Der kleine Zipfel zwischen Kalk und Buchforst gehört zu Deutz 33.
Die dicken lila Linien sind die heutigen Grenzen der Stadtbezirke und die dünnen lila Linien, die der Vororte.]
Der südwestliche Teil von Mülheim 2 wurde 1930 mit dem nordwestlichen Teil von Mülheim 1 ausgegliedert und mit kleineren Teilen von Kalk 28 und Deutz 33 zum Stadtteil Buchforst vereint.
Der nordwestliche Teil von Mülheim 2 wurde von Buchheim ausgegliedert und Mülheim zugeschlagen.
Als „Ausgleich“ erhielt Buchheim den südwestlichen Teil von Mülheim 3 und die westlichen Teile von Wichheim – Schweinheim 7, 8 und 9, sowie von Merheim 16. Hierdurch wurden die künstlichen Grenzen Eisenbahn und Autobahn die Grenzen von Buchheim. Wobei die Stadtautobahn damals noch nicht vorhanden war. Auf der Trasse waren der Grüne Weg und die Grenzstraße. Die kommunalen Grenzveränderungen sind allerdings von kirchlichen Institutionen nicht immer oder verspätet angepasst worden.
Buchheim in seinen heutigen Grenzen hat etwa 13.000 Einwohner.
Buchheim in seinen damaligen Grenzen hätte heute etwa 31.000 Einwohner. Der Bereich, der damals und heute zu Buchheim gehört hat, hat etwa 8.500 Einwohner und der dazu gekommen Beriech im Norden
zwischen Wichheimer Straße und im Osten von Merheim - Wichheim / Schweinheim etwa 4.500 Einwohner. [2]
Quellen: [1] Statistisches Amt der Stadt
Köln, Neueinteilung des Kölner Stadtgebietes 1954, S. 35
[2] Zahlen gerundet basierend auf Statistisches Jahrbuch der Stadt Köln 2018 und Wahlamt der Stadt Köln.
Sankt Hubertus Schützengilde Köln – Buchheim e. V.
Köln –Mülheim 1895 Köln – Buchheim 1926
Am 15.12.1926 wurde die Schützenbruderschaft unter dem Namen Schützenverein Köln – Mülheim 1926 von zehn Herren in Köln – Mülheim im Casino auf der Mülheimer Freiheit gegründet.
Abb. 1 Abzeichen der Sankt Hubertus Schützengilde Köln – Buchheim 1926
Bis zum Ende des Jahres erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 22 aktive und 24 inaktive Mitglieder. Am 10.4.1927 war das erste Eröffnungsschießen auf den Scheibenschießständen der Schützengesellschaft Mülheimer Schießclub 1895 an der Bergisch Gladbacher Straße. Das erste Schützenfest wurde am 28.8.1927 gefeiert. Das Schießen fand wiederum beim Mülheimer Schießclub 1895 statt. Der erste Festzug ging von der Frankfurter über die Monatus= zur Bergisch Gladbacher Straße zum Festplatz des Mülheimer Schießclub 1895. Sechs Schützen= und vier Ortsvereine nahmen an dem Festzug teil. Die Krönung fand in der Casino – Gesellschaft an der Mülheimer Freiheit statt.
Das zweite Schützenfest mit Fahnenweihe fand am 2. – 3. und 8.9. 1928 statt.
Die neue und erste Fahne wurde in der römisch – katholischen Rektoratskirche in der Elisabeth – Breuer – Straße während eines festlichen Hochamtes geweiht.
Die Beliebtheit bei der Bevölkerung und das gute Ansehen machte den Verein schnell in der Öffentlichkeit
bekannt, so dass beim zweiten Festumzug
23 Schützen- und Ortsvereine teilnahmen. U. a. nahmen folgende Vereine teil:
St. Sebastianus – Bürger – Schützenbruderschaft Mülheim am Rhein e. V. 1435
Schützengesellschaft Mülheimer Schießclub 1895,
Schützengesellschaft Holweide
St. Sebastianus Schützenbruderschaft Köln – Stammheim e. V. gegr. vor 1594
St. Sebastianus – Schützenbruderschaft Köln – Flittard e. V. gegr. 1594
Reitergruppe des Kutschervereins Köln – Mülheim,
Garde – Verein Köln – Mülheim von 1881,
Kameradschaftlicher Kriegerverein Köln – Mülheim von 1888
Marine – Verein Köln – Mülheim,
Cäcilien – Verein Köln – Mülheim,
Männer – Gesang – Verein Sängerbund Köln – Mülheim von 1870
Turngemeinde Mülheim am Rhein von 1879 e. V.
Mülheimer Männerquartett von 1884
Verein ehemaliger Pioniere
Elisabeth – Kirchenchor.
Das dritte Schützenfest mit Einweihung des ersten eigenen Schießstandes im Restaurant Gartenanlage Rheinberg in der Mülheimer Freiheit fand vom 24.- 26. und 31. August 1929 statt. Die Einweihung war mit einem großen Feuerwerk verbunden. An dem großen Festumzug, der wegen starken Regens 30 Minuten später losging, beteiligten sich zwölf Schützen- und eine große Anzahl Ortsvereine.
Das vierte Schützenfest fand am 13. 14. und 19.7.1930 wurde auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage und größer werdenden Arbeitslosigkeit in kleinerem Rahmen gefeiert. Die kameradschaftliche Zusammengehörigkeit war sehr gut und die Beteiligung an dem Schießbetrieb rege. Vom 20.7. bis 30.8.1930 fand das 19. Bundesschießen in Köln statt, bei den auch Schützen der Hubertus Schützen Preise errangen.
Im Juli 1931 wurde das Schützenfest in einem angepassten Rahmen durchgeführt. Beim Fest- und Krönungsball
wurde ein Reingewinn von
RM 58,60 erwirtschaftet.
Auf Grund der wirtschaftlichen Gesamtverhältnisse wurde 1932 von einem Festumzug abgesehen und das Schießen fand in einem kleinen Rahmen statt.
Im Folgejahr wurde das Gesellschafts- und Königsschießen nur in kleinem Kreis statt.
Das Jahr 1934 war ein wichtigstes Jahr in der bisherigen Geschichte. Da 60 % aller Mitglieder des Vereins in Buchheim wohnen, wird der Standort von Mülheim nach Buchheim verlegt. In diesem Jahr baut der Verein einen neuen Schießstand hinter der Gaststätte Hackenbroich, Frankfurter Straße. In diesem Haus ist heute das Restaurant „Zum Buchheimer Kreuz“. Der Vereinsname wird in Schützengilde Köln – Buchheim 1926 e. V. geändert und der Festzug geht zum ersten Mal durch Buchheim.
Da der Schießstand an der Gaststätte Hackenbroich nur einen Halbhochstand (Sternen- und Vogelschießen) hat, wurde eine Erweiterung an der Tempelherrenstraße / Kniprodestraße geplant, bei der auch Aufenthaltsräume gebaut werden sollen.
Im Jahr 1936, zum 10 – jährigen Jubiläum, werden mit Spenden und eigenen Mitteln eine neue 50 m – Bahn durch Eigenleistung in einem Jahr gebaut. Die neue Schießanlage und die Aufenthaltsräume sind vorbildlich.
Die Einweihung der neuen Schießanlage fand am 10.9.1937 statt. Der erste Schuss gab der damalige Polizei Obermeister vom 22. Polizei – Revier ab. Anschließend wurde zwei Tage gefeiert.
Im Protokoll vom 24. Juli 1938 wurde die gute Zusammenarbeit zwischen den Vertretern der Schützengilde, des Männergesangvereins Eintracht Buchheim, des Fußballverein Germania Mülheim, des Schießclubs von 1907 und des Vereins Heimatpflege Buchheim zum Gelingen der Buchheimer Kirmes und Schützenfest bestätigt.
Zu Beginn des Jahres 1939 hat die Schützengilde 31 aktive und 12 inaktive Mitglieder, Das Schützenfest wurde erstmals im Mai und zwar vom 7. bis 13. gefeiert.
Auf Grund des zweiten Weltkrieges konnte 1940 das Schützenfest, da bereits viele zur Wehrmacht eingezogen waren, nur im kleinen Kreis gefeiert werden. Der Festzug bewegte sich unter Teilnahme einiger Nachbarvereine vom Vereinslokal Laufenberg zum Schießstand.
Abb.2 Vereinslokal Laufenberg „Zum weissen Pferdchen“ an der Frankfurter Straße
In den darauffolgenden Jahren fand kein Schützenfest mehr statt. Für Mitglieder und Gönner wurde 1941 ein Preisschießen veranstaltet. Auch eine Herrentour nach Leichlingen musste ausfallen.
Im Geschäftsbericht für 1942 wird vermerkt, dass 50 % aller Schützen zur Wehrmacht eingezogen sind und die übrigen meist durch Sonntagsarbeit verhindert sind.
Zwölf aktive Schützen gab es noch im Jahr 1943 und 1944 wurde der Schießstand zerstört. Treffen sind nur noch in kleinen Kreis und selten möglich.
Nach Ende des zweiten Weltkriegs versuchten 1947 der frühere Schriftführer mit dem damaligen Ehrenvorsitzenden der Schützengilde das Vereinsleben wieder in Gang zu bringen.
Im darauffolgenden Jahr wurde die Schützengilde wieder neu organisiert und trat dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft bei.
Das erste Schützenfest nach dem zweiten Weltkrieg fand 1949 statt. Der frühere Vorsitzende war aus der Evakuierung zurück und hat die Königskette mitgebracht, die er in der sowjetischen Besatzungszone vergraben hatte.
Bereits im nächsten Jahr konnte eine Jungschützengruppe mit 45 jungen Männern gegründet werden. Die Schießwettbewerbe fanden auf einem provisorischen Gelände statt. Es wurde auf der Alten Wipperfürther Straße aus dem Wohnzimmerfenster des damaligen Kommandeurs in den dazugehörigen Garten geschossen.
Seit 1950 werden die Jungschützenkönige ermittelt.
Bereits 1952 konnte ein erster Schießstand im Garten der Gaststätte „Zum Pool“, Frankfurter Straße 98. genutzt werden. Die Schützengilde wächst auf 98 Mitglieder an.
Ein Jahr später verlegt die Schützengilde den Festplatz auf das Gelände der Klöckner – Humboldt – Deutz AG (heute Kattowitzer / Gleiwitzer Straße) an der Frankfurter Straße.
Seit 1955 suchte die Schützengilde nach einem geeigneten Gelände für eine Schießsportanlage und Schützenheim. Seitens der Stadtverwaltung Köln gab es nur Vertröstungen und Verhandlungen. Nach langen Verhandlungen stellte der Gutsbesitzer von Haus Her1 1960 ein großes Gelände zur Verfügung. Der Schießstand und die Schützenhalle wurden neu errichtet. Ein Jahr später konnte das Georg – Schlaghecken – Heim mit Anlage eingeweiht werden.
In den folgenden Jahren wurden viele Erfolge „erschossen“.
Im Jahr 1965 vereinigten sich die Schützengilde Köln – Buchheim und die Schützengesellschaft St.
Engelbert Bruderschaft 1895 Köln – Mülheim (bis 1958 Schießclub 1895 Mülheim) zur
„Schützengilde Köln – Buchheim e. V.
Bruderschaft
Köln – Mülheim 1895 Köln – Buchheim 1926“.
Der Schützenkönig der Hubertus Schützen von 1967 wird erster Bezirkskönig der Schützengilde.
Abb. 3 Blick auf den ehemaligen Festplatz zu Beginn der Bauarbeiten für die Wohnhäuser an Kattowitzer und Gleiwitzer Straße – Foto: G.
Pröhl
Wieder muss ein neuer Festplatz her. 1969 kündigte die KHD AG an, dass das bisher zur Verfügung gestellte Grundstück für eine Wohnbebauung benötigt wird und bereits jetzt schon als Abstellplatz benutzt wird. Als Ersatz wird auf die gegenüberliegende Seite der KVB – Straßenbahnstrecke hingewiesen. Auch dieses Gelände an der Arnsberger Straße gehörte der KHD AG und muss noch aufgefüllt werden. Die Hubertus Schützengilde, das Kirmesgeloog und der Bürger- und Heimatverein erklärten ihr Einverständnis. [1]
Im Jahr 1971 wird bei den Hubertus Schützen Buchheim der erste Tellkönig und 1974 der erste Bürgerkönig ermittelt. Kurz darauf im Jahr 1976 folgt die erste Bürgerkönigin.
Zum ersten Mal wurde 1977 die erste Jungschützenkönigin ermittelt.
Der Schützenkönig von 1979 wird erster Stadtkönig der Schützengilde.
1982 wird der erste Schülerprinz ermittelt und ihm folgte 1984 die erste Schülerprinzessin. Der Schülerprinz von 1983 wird der erste Stadtschülerprinz der Schützengilde.
Im Jahr 1990 wird nach bereits zwei erfolgreichen Jahren der erste Schützenkaiser ermittelt.
Seit 1998 dürfen auch weibliche Erwachsene aktive Schützen werden und im selben Jahr wurde der erste Tellkaiser ermittelt.
Das Jahr 2000 bescherte den Hubertus Schützen Buchheim die erste Bezirksjungschützenkönigin und den ersten Schützenkaiser, sowie die erste Stadtbürgerkönigin.
Auch das Jahr 2002 wird durch die erste Schülerkaiserin und den ersten Bürgerkaiser gekrönt.
Die erste Jungschützenkaiserin wird 2004 ermittelt, die anschließend auch noch Bezirksjungschützenkönigin wird.
Auch in 2005 konnten die Hubertus Schützen wieder einen Stadtkönig stellen.
Die Zulassung von Frauen zum aktiven Schützenwesen zeigt 2006 die ersten Früchte, in dem die erste Schützenkönigin ermittelt wurde und bereits ein weiteres Jahr darauf gibt es auch eine Tellkönigin. Im selben Jahr wird mit 20 Jahren ein junger Mann der jüngste Bürgerkönig.
Im Jahr 2011 wird der erste Schülerkaiser und der erste Bambiniprinz ermittelt und der Bambiniprinz der Hubertus Schützen von 2012 wird erster Bezirksbambiniprinz.
Abb. 4 Schützenparade am 20. Mai 2012 auf der Alten Wipperfürther Straße
Foto G. Pröhl
Die erste Schützenkaiserin wird im Jahr 2013 ermittelt und im gleichen Jahr wird die Bürgerkönigin Stadtbürgerkönigin.
Im Jahr 2015 haben die Hubertus Schützen ihre erste Bürgerkaiserin.
Die Sankt Hubertus Schützengilde Köln – Buchheim, die als erste das Schützenjahr mit ihrem Schützenfest beginnen, konnten 2020 wegen der Corona – Pandemie keine Veranstaltung durchführen.
[Die Würdenträger von 2019 blieben bis zum Schützenfest 2023 im Amt]
Marsch der Buchheimer Sankt Hubertus Schützen
Text und Musik von Hans Brandt
Fahnen weh’n, Musik erschallt, die Straßen sind geschmückt,
rechts und links steht Jung und Alt so froh und hochbeglückt.
denn mit Pauken und Trompeten sind wir Schützen angetreten
und keiner bleibt in seinem Nest, denn wir feiern Schützenfest.
Durch die Straße zieh’n wir dann in unserem grünen Kleid,
wie die Alten schon getan vor langer, langer Zeit.
Was ererbt wir von den Alten wollen hoch wir immer halten,
und drum heraus aus eurem Nest, denn wir feiern Schützenfest.
Quellen:
- Festschrift 2001 zum großen Schützen- und Volksfest der Sankt Hubertus Schützengilde Köln Buchheim e. V. – 75
Jahre
(Wilhelm Otten, Ehrenpräsident)
- Festschriften von 2001 – 2019
- [1]
Schützen suchen einen neuen Festplatz im KStA vom 27.2.1969
Fußball Club Germania 1911 Köln – Mülheim e. V.
Um die Jahrhundertwende kam der Fußballsport aus England auch in Köln und Umgebung an und wurde immer beliebter.
Der älteste Club war VfL Köln 1899. Später gesellten sich dann der Kölner Ballspiel Club 01 (vereinigte sich 1948 mit SpVgg Sülz 07 zum 1. FC Köln),
VfR Köln 04 rrh. (Vorgängerverein von Viktoria Köln 1904 e. V.), Borussia und Concordia beide aus Vingst von 1904 bildete 1905 die SSV 1905 Vingst,
S.C. Borussia 05 Kalk, Deutzer FC 05 (heute SV Deutz 05), Mülheimer SV 06 (1906 als Mülheimer Ballspiel – Club gegründet, Vorgänger Verein von Viktoria Köln 1904), SpVgg Sülz 07 (Vorgängerverein
vom 1. FC Köln) und FK Preußen Dellbrück (gegr. 1912, Vorgängerverein von FC Viktoria Köln).
Sportbegeisterte junge Buchheimer, die bereits vorher im Raum Mülheim – Buchheim gegen andere „wilde Verein“, also nicht organisierte, fußballspielten, gründeten 1911 einen Fußballclub, dem sie den stolzen Namen „Germania“ gaben. Betriebskapital war nicht vorhanden, dafür aber spielerisches Können, große Liebe zum Sport und grenzenloses Vertrauen in die eigene Kraft. Alle Dinge, die in überreichem Maße vorhanden waren und mit denen die jungen Fußballspieler alle noch so großen Schwierigkeiten überwanden.
Um auch an den ausgeschriebenen Meisterschaftsspielen teilzunehmen, trat man dem damaligen WSV bei. Ein idealer Fußballplatz fand sich an der römisch – katholischen Kirche St. Mauritius, wenige Schritte vom damaligen Vereinslokal. Die Zahl der aktiven Fußballspieler vermehrte sich zusehends. Buchheim entwickelte sich zu einem echten Fußballdorf.
Da der Fußballplatz dicht an der Kirche lag und sich die Zeiten von Messe und Spielen nicht in Einklang gebracht werden konnten, musste ein neuer Sportplatz gesucht werden. Der Mülheimer Sportverein 06 bezog seinen neuen Platz gegenüber dem Eingang vom Mülheimer Friedhof. Der FC Germania konnte den alten MSV 06 Platz am Grünen Weg (heute Stadtautobahn zwischen Ostkreuz und Frankfurter Straße) benutzen.
Nach einem Qualifikationsspiel teilte man den Verein im Gründungsjahr der Klasse „C“ zu. Schon im Jahr darauf spielten die Buchheimer in der Klasse „B“. Auch diese wurde nur als Durchlaufstation genommen, so dass die Germanen im Jahr 1913 in der Klasse „A“ spielten.
Der Sportclub Germania wurde für jeden Fußballverein in der Umgebung zum gefürchteten Gegner.
Das letzte Spiel im Jahr 1914 fand im September gegen den MSV 06 statt, welches die Germanen mit 8 : 2 gewannen. Auf Grund des ersten Weltkrieges musste der Spielbetrieb eingestellt werden.
Aus dem ersten Weltkrieg kehrte einige Clubkameraden nicht mehr zurück.
Nach Ende des ersten Weltkriegs versammelten sich die noch vorhandenen Spieler und Vorstandsmitglieder in der Restauration Peter Busch in Buchheim und beschlossen die Germania wieder ins Leben zu rufen.
Der alte Sportplatz stand nicht mehr zur Verfügung, da dieser von der Friedhofsverwaltung beansprucht wurde und ein neuer auch nicht. Auf dem rohlederischen Gelände (wahrscheinlich etwas nördlich des Friedhof Mülheim im Bereich des heutigen Gottfried – Herder - Gymnasium), wo einst eine Ziegelei stand, sollte der neue Sportplatz entstehen. Da auch die Kasse leer war, schafften alle Mitglieder mit Schaufeln, Hacken und Schubkarren in freiwilliger, unentgeltlicher Eigenarbeit einen neuen Sportplatz. Nach etlichen Wochen harter Arbeit konnte endlich wieder an Fußballspielen gedacht werden
Die Germania spielte damals in der B – Klasse und bereits ein Jahr später in der A – Klasse. An die ruhmreiche Epoche vor dem Krieg wurde angeknüpft. Die vorbildliche Jugendarbeit und Kameradschaftspflege waren ebenso wie Familienausflüge und gesellige Abende der Grundstein für die Erfolge der 1920er Jahre. Der FC Germania wurde zu einem der dominierenden Vereine in Köln. Bei Spielen gegen die Borussia Kalk oder den MSV 06 kamen über 4.000 Zuschauer und auch gegen Vingst 05 war kein Spiel unter 3.000 Zuschauern. Obwohl der FC Germania dreimal hintereinander Meister der A – Klasse wurde, wurde der Aufstieg in die höchste Spielklasse verwehrt, da ein nicht nachvollziehbarer Verbandsbeschluss (Neukosystem) bestand, dass drei Jahre lang kein Auf- und Abstieg in die höchste Spielklasse stattfindet. Die damalige Spielstärke ist auch erkennbar, wenn der FC Germania 85 Spiele hintereinander ungeschlagen blieben. Dies Aufstiegshindernis führte dazu, dass einige Spieler die Germania verließen und zu anderen Vereinen wechselten, die dann die Früchte der Trainingsarbeit ernteten.
Das 1936 stand im Zeichen des 25 – jährigen Jubiläums und eines erfolgreichen Wiederbeginns.
Das Menschen oft nicht nur in einem Verein Mietglied waren zeigt, dass manches Mitglied des Kirmes Geloog auch Mitglied beim FC Germania war. In der Spielzeit 1938 / 39 gelang der II. Mannschaft
ein sagenhaftes Torverhältnis von 102 : 2 Toren. Die I. Mannschaft beendete die gleiche Spielzeit mit der Gruppenmeisterschaft und hatte den Aufstieg geschafft.
Nach dieser Spielzeit begann der zweite Weltkrieg und fast alle Spieler wurden zur Wehrmacht eingezogen und der Spielbetrieb musste eingestellt werden.
Nach dem zweiten Weltkrieg fanden sich wenige vom FC Germania zusammen. Aber Hunger und Elend machten es nicht möglich die Mannschaft zusammenzuhalten und der Verein wurde als ruhend gemeldet. Auch sind viele Informationen nicht mehr erhalten, die zum Vereinsleben, wie Jugendarbeit hätten Aufschluss gegeben können.
Erst 1959 fanden sich wieder die Alten zusammen und der FC Germania wurde zu neuem Leben erweckt. Der Westdeutsche Fußball – Verband Bezirk Mittelrhein gab den alten Namen zurück. Auf Grund einer Verbandsbestimmung musste in der untersten, der 3. Klasse begonnen werden. Die Bestimmung, ein Jahr lang keine Spieler aus benachbarten Vereinen aufzunehmen, musste in Kauf genommen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Jugendarbeit aufgebaut und in kürzester Zeit konnten sieben Jugendmannschaften vorgezeigt werden. Zahlreiche Pokale und Urkunden folgten.
Bald hatte der Verein über 150 aktive Mitglieder und im Jahr 1961 gelang der Aufstieg in die 2. Klasse.
Durch das großzügige Entgegenkommen der Fa. Klöckner – Humboldt – Deutz AG konnte der Sportplatz an der Frankfurter Straße bezogen werden. Da vier Alters- und sieben Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnahmen, reichte der Sportplatz nicht aus und die Stadt Köln stellte einen Platz auf der Merheimer Heide bis auf Abruf zur Verfügung, weil diese Fläche für die spätere Stadtautobahn benötigt wurde.
Da der FC Germania weiter wuchs und noch immer kein eigener Sportplatz zur Verfügung stand, wurde mit unerbittlicher Hartnäckigkeit und aller Kraft bei der Stadt Köln gekämpft. Als Erfolg wurde die Sportanlage mit Vereinsheim an der Alten Wipperfürther Straße (heute Wuppertaler Straße) übergeben.
Abb. 1 1964 FC Germania Mülhein1911 gegen Sport Verein Vogelsang, kurz vorm 3:0 (Halbzeitstand 4:0 für Germania Mülheim) Foto: G. Pröhl
Der Sportplatz wurde auch von der naheliegenden evangelischen Volksschule (heute Nelson – Mandela – Hauptschule) genutzt. Auch der sportliche Erfolg blieb nicht aus und 1965 schaffte man den Aufstieg in die 1. Kreisklasse.
Die nächsten beiden Jahre bemühte sich die Mannschaft, den Klassenverbleib zu erhalten. Die B 1 – Jugend wurde 1966 Kreismeister und die A 1 – Jugend wurde Sieger des Kölner Stadt – Anzeiger – Pokals. Bei beiden Siegen war der Gegner die jeweilige Mannschaft des 1. FC Köln. Durch die gute Jugendarbeit standen immer wieder gute Talente zur Verfügung, die in die erste Mannschaft eingebaut werden konnten.
Ein endgültiger Durchbruch schien 1968 zu gelingen. Die A – Jugend wurde Pokalmeister durch einen Sieg über den westdeutschen Jugendmeister 1. FC Köln. Sieben Jugendspieler rückten in die erste Mannschaft auf. Dem Abstieg entging man knapp, da den jungen Spielern noch die ausreichende Routine fehlte. Nach Ablauf der Saison begann eine regelrechte Abwerbungskampagne auf die jungen Spieler, der unser Club aus finanziellen Gründen nicht gewachsen war.
Die Jugendabteilung hat über einhundert Spieler unter erfolgreicher Führung, wobei jede Jugendmannschaft einen eigenen Trainer hat.
In den Jahren 1968 – 1970 spielten die Germanen überwiegend im gesicherten Mittelfeld. Inzwischen hat der Verein mehr als 200 aktive Mitglieder. In den beiden Folgejahren wurde der Aufstieg in die Bezirksliga, trotz verstärkter Mannschaft und Platz 2, knapp verpasst. Leider trennten sich einige Spieler von der Germania musste 1974 in die Kreisliga B absteigen.
Zwischen dem FC Germania Mülheim und dem Damen Fußball Club (DFC) Holweide, der 1969 gegründet wurde, finden erste Kontakte 1971 statt, um den DFC in die Germania zu überführen. Ein Jahr später sind die Damen offizielle Mitglieder der Germania und erreichen den zweiten Tabellenplatz.
Der Aufstieg in die damals höchste Spielklasse, die Bezirksliga, wurde 1974 erreicht. In Folgejahr konnte die erste Mädchenmannschaft (Spielerinnen bis 15 Jahre) gegründet werden.
Der Wiederaufstieg in die Kreisliga A gelang 1977. Leider musste die erste Mannschaft wegen zu geringer Spielerdecke und damit auch verlorener Punkte in die Kreisliga B absteigen.
In die inzwischen bestehende Verbandsliga konnte die Damenmannschaft 1979 aufsteigen. Nach einem Endscheidungsspiel gegen Vingst 05 wurde die
Damenmannschaft nach Elfmeterschießen Vizemeister.
Durch Verstärkung konnte noch, neben den beiden bereits genannten Mannschaften noch eine zweite Damenmannschaft aufgestellt werden.
Die erste Damenmannschaft stieg 1983 und die meisten Spielerinnen wechselten den Verein.
Rechtzeitig zum Jubiläumsturnier wurde im Mai 1986 die neue Flutlichtanlage fertiggestellt. Das 75. Vereinsjahr konnte im Juli 1986 mit einem Jubiläums – Turnier gefeiert werden. U. a. beteiligten sich DJK Viktoria Buchheim 1954 e. V., DJK Winfriedia Mülheim, SV ADP Mülheim, SC Mülheim – Nord von 1919 e. V.
Abb. 2 Szene aus dem Jubiläumsturnier Foto:
G. Pröhl
In der Spielzeit 1995 / 96 konnte der Abstieg aus der Kreisliga A nach langer Zugehörigkeit nicht verhindert werden. Danach wechselte die erste Mannschaft zwischen der B- und C – Klasse.
Die Jugendarbeit beschränkte sich 1996 auf die F – Jugend. Nach der Winterpause konnte inzwischen auch eine E – und D – Jugendmannschaft aufgebaut werden. Einheitliche Trainingsanzüge waren im sozialschwachen Einzugsgebiet schwierig. Weihnachten 1968 konnte allen jugendlichen Spielern ein Trainingsanzug geschenkt werden. Da die Spieler auch in ihrer Freizeit ihre Trainingsanzüge trugen, erhielt der Verein weiteren Zulauf, sodass bald wieder ein A – Jugendmannschaft zur Verfügung stand.
Auf Anregung eines Elternteils wurde 2000 ein Turnier gegen Rassismus veranstaltet. Höhepunkte der Veranstaltung war das Spiel der „alten FC – Stars“ um Toni Polster gegen eine Mannschaft der neueröffneten Polizeiwache am Clevischen Ring, sowie der Turniersieg der D – Jugend und der Auftritt von Brings.
Der Zuwachs hielt weiter an, so dass nicht mehr genug Trainer zur Verfügung standen. Aber auch dies Problem wurde durch die Verpflichtung eines neuen Trainers gelöst. Auch außerhalb von Köln wurde der FG Germania bekannt, so dass eine Einladung nach Betzdorf / Sieg erfolgte. Bei diesem Turnier errang die B – Jugend einen ersten und die D – Jugend einen dritten Platz.
Dieser Ansporn wurde für die Ausrichtung eines eigenen Turniers genutzt, bei dem jeweils eine A -, B- und eine D -, sowie zwei E – und F - Mannschaften antraten. Das erste über drei Tage veranstaltete internationale Turnier wurde in Rösrath - Hoffnungsthal über drei Tage veranstaltet. Auch hier war die Jugend wieder erfolgreich.
Mit elf Jugendmannschaften, neben den Erwachsenen, wurden die Trainingsprobleme offengelegt. Zum Aufwärmtraining mussten einige Mannschaften auf die Laufbahn und andere auf die Merheimer Heide gehen.
Mit Beginn der neuen Spielzeit begannen auch die Pokalspiele. Obwohl Flittard in einer höheren Spielklasse spielte und beim Aufwärmtraining die „Sieger – Shirts“ trugen, konnte die A – Jugend die Flittarder mit 5 : 3 vom Platz schicken. Dieser Sieg schaffte Anerkennung und 2002 eine weitere A – Jugendmannschaft. Die A 1 – Jugend schaffte den Aufstieg in die Leistungsstaffel.
Im 2002 konnte neben weiteren Turnieren u. a. in der blauen Halle am Herler Ring und Pokalspielen die A – und die E – Jugend jeweils einen ersten Platz erreichen. Nach der Winterpause löste sich die A 2 teilweise altersbedingt auf, da einige in die Seniorenmannschaft und andere ins Berufsleben (Ausbildung) wechselten.
In der Spielzeit 2003 / 04 standen die Germanen auf einem Aufstiegsplatz zur Kreisliga B. Aus disziplinarischen und vereinsschädigenden Gründen musste die Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet werden. Anschließend musste in der D – Klasse weitergespielt werden. In den beiden Folgejahren erfolgte der Aufstieg bis in die B – Klasse.
Im Jahr 2004 wurde die E 1 –Mannschaft ungeschlagen Staffelsieger. Auch nach einem verdienten Ausflug wurde die E – Jugend Hallenkreismeister des Fußballkreises Köln durch einen Sieg über SC Borussia Hohenlind - Lindenthal.
Nach dem 2006 die zweite Mädchen Mannschaft (Frauenschaft) – gebildet werden konnte, wurde ein
Mädchen – Turnier veranstaltet, durch das der Frauen – Fußball gefördert werden sollte.
Die D – Jugend des FC Germania besiegt den SpVgg 03 Fechenheim (Frankfurt / Main) und gewinnt das Osterturnier bei OSC Ommen (Overijssel) in den Niederlanden.
In der Tagesdokumentation [2]: „Der Sport braucht die Stadt! Die Stadt braucht den Sport!“ vom 1.12.2006 werden beim FC Germania als praktische Erfolge der Vereinsentwicklung hervorgehoben: WM - Event, die Bambini – Angebote und die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher.
Seitens der Sporthochschule bekommt der Verein Unterstützung, indem Studenten gemeinsam mit den Trainern effektive Trainingspläne erstellen. Über die gemeinsame Arbeit gibt es eine Ausstellung im Kölner Rathaus.
Das Projekt „Kids in die Clubs“ wird 2009 geschaffen, damit Kinder und Jugendliche, die keinen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, unentgeltlich eine Mitgliedschaft in einem Sportverein erhalten. Der FC Germania beteiligt sich an dem Vorhaben.
Auf der Jubiläumsveranstaltung zum 100 – jährigen Bestehen sagte der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Mülheim, dass beim Freundschaftsspiel zwischen dem FC Germania 1911 und dem FC Viktoria Köln 1904 die Germanen knapp mit 1 : 11 verloren haben.
Im „Netzwerk Sport und Bewegung Mülheim – Abschlussbericht“ [1] vom Oktober 2015 steht unter III. Instrumente und Medien – Netzwerke Seite 12 und 12: „Kunstrasenplatz Wuppertaler Str.: Im Rahmen der Kooperation im Sozialraum an der Wuppertaler Straße kam der Wunsch auf, den Sportplatz in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln. Dies war seinerzeit mit der Finanzierung durch das Konjunkturpaketes nur im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einem Sportverein möglich. Die verorteten Vereine FC Germania Mülheim und FC Viktoria Buchheim äußerten Interesse an einem Kunstrasenplatz und wurden in vielen Gesprächen gemeinsam mit der Sozialraumkoordinatorin, dem Sportdirektor, dem Sportsachbearbeiter, den Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Sportförderung und den Fußballkreis auf eine gemeinsame Nutzung des Geländes vorzubereitet. Die Beratungstätigkeit ist dann auf die Fachabteilung im Sportamt (521) übergegangen. Diese betreut die Planung und die zukünftige Baumaßnahme.“
Vereinsvertreter des FC Germania gingen 2014 auf das Netzwerkteam zu, um die Jugendabteilung neuaufzubauen. Die Vereinsvertreter wurden an die Vereinsberatung des Landessportbundes verwiesen. In den umliegenden Sozialinstitutionen sowie Schulen und Kindertagesstätten wurde geworden.
Im Schuljahr2014 / 2015 unterstütz der FC Germania den Projektkurs „Übungsleiter – C - Qualifikation“
In der Bezirksvertretungssitzung des Stadtbezirks 9 (Mülheim) wird mitgeteilt, dass der Sportplatz Wuppertaler Straße auf der Prioritätenliste auf Platz 1 steht. Der Planungsbeschluss wurde am 10.9.2013 und der Baubeschluss am 8.12.2016 gefasst. Als Baubeginn wurde das I. Quartal 2018 und für die Fertigstellung das III. Quartal 2018 angegeben.
Immer wieder setzte sich der Vorstand vom FC Germania Mülheim ein, dass der Umbau zügig umgesetzt werden soll. Ein Schreiben an die Oberbürgermeisterin im Jahr 2018 blieb unbeantwortet.
Zur Halbzeit der Spielsaison 2018 / 2019 muss der FC Germania die einzige Mannschaft vom Spielbetrieb abmelden, da viele Spieler lieber als auf einem Kunstrasen- als auf einem Aschenplatz spielen. Benachbarte Vereine mit Kunstrasenplatz sind die Gewinner durch die lange Umbauverzögerung, die dem Verein an die Substanz geht.
Nach mehrfachen Ankündigungen wurden mit den Arbeiten für den Kunstrasenplatz auf der Sportanlage
Wuppertaler Straße Ende September 2019 begonnen. Im Juli 2020 konnte der Platz wieder bespielt werden. Allerdings muss er von der DJK Viktoria Buchheim 1955 mitgenutzt werden.
Bei der offiziellen Übergabe der Sportanlage von der Stadtverwaltung an die Vereine wurde am 27. August 2020 erwähnt, dass dies eine der besten Sportanlagen im rechtsrheinischen Köln ist. Corona
– bedingt fand die Übergabe in kleinem Kreis statt.
Die Germania kann wieder ein Zulauf an Mitgliedern verzeichnen.
Quellen:
509 Jahre Buchheimer Kirmes, Kirmes - Geloog – Buchheim 1961
Festschrift 75 Jahre FC Germania 1911 – Köln – Mülheim, Toni Klinker
Jubiläumsheft 100 Jahre FC Germania 1911 Köln – Mülheim –
Der Traditionsverein, Peter Trompetter, Heinz Kerstan und Heinz Gabriel
[1] Netzwerk Sport und Bewegung Mülheim – Abschlussbericht“ vom Oktober 2015, Sport in Metropolen, Sportamt der Stadt Köln, Sportpark Müngersdorf Olympiaweg 7, 50 933 Köln – Müngersdorf.
[2] Tagesdokumentation „Der Sport braucht die Stadt! Die Stadt braucht den Sport! Vom 1.12.2006 – Sport in Metropolen, Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Sportsoziologie, Am Sportpark Müngersdorf 6, 50 933 Köln – Müngersdorf
Sparkasse in Mülheim am Rhein - Buchheim
Die zuständige Sparkasse für die Stadt Mülheim am Rhein war die 1856 gegründete Kreissparkasse Mülheim am Rhein.
Im Jahre 1901 wurde die Stadt Mülheim kreisfreie Stadt und Mülheim musste auf Anteile an der Kreissparkasse verzichten. Die Stadtverordneten beschlossen eine städtische Kasse zu gründen.
Auf Grund verschärfter Bedingungen zog sich die Prüfung hin und am
4. Juli 1906 wurde die Genehmigung vom Oberpräsidenten erteilt. Am
15. September 1906 wurde die erste Kasse errichtet.
Vorsitzender des Vorstandes war der Oberbürgermeister. Weitere Mitglieder des Vorstands wurden aus dem
Kreis der Stadtverordneten und der Bürgerschaft gewählt.
„Möge das junge Unternehmen kräftig emporblühen! Ist doch sein Ertrag ausschließlich dazu bestimmt, die Gründung gemeinnütziger städtischer Anstalten und segensreicher Wohlfahrtseinrichtungen zu
ermöglichen. Möge das Institut in erster Linie aber den Zweck erfüllen, zur sicheren verzinslichen Anlegung von Ersparnissen und zur leichten Erlangung von Darlehn günstige Gelegenheit zu geben.“
[1]
Wegen der Eingemeindung der Großstadt Mülheim am Rhein nach Köln wurde die Sparkasse Mülheim von der Stadtsparkasse Köln übernommen.
Die Sparkasse der Stadt Köln hatte, wie auch heute eine Zweigstelle (14) in Mülheim am Wiener Platz / Buchheimer Straße, die für die Buchheimer Bürger*innen zuständig war.
Auf Grund der Bevölkerungsentwicklung in Buchheim (1950 von 6.100 Einw. auf 9.500 Einwohner in 1957) begann die Planung für die Zweigstelle in Buchheim.
„Wie viele der rechtsrheinischen Vororte Kölns liegt auch Buchheim ziemlich isoliert zu seinen Nachbarorten. Gegenüber Mülheim und Buchforst wird es durch Bundesbahnstrecken, gegenüber Holweide durch die Autobahn und nach Höhenberg hin durch breite Felder abgetrennt. … Unsere Kunden, die in Buchheim ihren Wohnsitz haben, müssen, … einen Fußweg von über einer halben Stunde zurücklegen.“ [2]
Aufnahme aus dem Jahr 1958 aus der Betriebszeitung [3]
Im Jahr 1958 wurde das Haus Alte Wipperfürther Straße 32 / Malteserstraße mit dem Luxor, einem Lichtspieltheater (Kino), mit 600 Plätzen gebaut. Noch im gleichen Jahr, am 24. November, zog im vorderen Bereich die neue Zweigstelle (47) der Sparkasse der Stadt Köln ein. Hinter der Doppeltür ging es sofort nach links zu der Kasse und der Theke. In deren Hintergrund waren die Fenster zur Malteserstraße hin.
Einige Jahre später, als der Kinobetrieb nicht mehr so lief, wurde der Vorraum (auf dem Bild hinter den drei Plakatanzeigern) des Kinos verkleinert und der übrige Teil abgetrennt, sodass die Sparkassenräume erweitert werden konnten. Jetzt war auf der gegenüberliegenden Seite auch noch eine zusätzliche Kasse eingerichtet worden.
Als das Luxor Anfang 1970 ganz geschlossen wurde, konnte sich die Sparkasse weiterausbreiten. Der größere Bereich (Zuschauer- und Leinwandraum) wurde von dem Lebensmitteleinzelhandel Plus angemietet.
Nach den letzten Eingemeindungen 1975 wurden die Zweigstellen der Kreisparkasse Köln auf Kölner Stadtgebiet in die Stadtsparkasse Köln überführt. Einige wenige, wie die Kreissparkasse am Wiener Platz in Mülheim, haben Bestandschutz.
Schließlich erfolgte ein größerer Umbau der Buchheimer Zweigstelle. Im November 1997 wurde im Hinterhof ein Container errichtet, in dem der Betrieb weiterlaufen konnte. Etwa ein Jahr später konnten die umgebauten und erweiterten Räumlichkeiten genutzt werden. Bei der Eröffnung wurde auch eine Neuerung vorgestellt. Es gibt nicht mehr für jede Kasse eine Warteschlange, sondern nur noch eine für alle. Ein Redner hatte dies in der Eröffnungsrede beim „Kölschen Empfang“, neben vielen anderen Verbesserungen humorvoll dargestellt. [4]
Da der Name Sparkasse der Stadt Köln zu lang war, wurde dieser in Stadtsparkasse Köln umbenannt.
Durch die Zusammenlegung mit der Sparkasse Bonn entstand dann zum
1. Januar 2005 die Sparkasse Köln Bonn.
Leider musste im Sommer 2018 die Zweigstelle Buchheim geschlossen werden, da immer mehr Kunden auf Online – Banking umstiegen und damit der Publikumsverkehr immer weniger wurde. Heute müssen sich die Kunden wieder zum Wiener Platz / Buchheimer Straße 68 oder nach Buchforst, Waldecker Straße 42 / Heidelberger Straße wenden. Einige vielleicht auch nach Holweide, Bergisch Gladbacher Straße 591. Die Geld- und Dialogautomaten, sowie Konto= auszugsdrucker konnten noch ein Jahr bleiben.
Verschiedene Ausstellungen konnten in den Räumen der Sparkasse stattfinden, die die Verbundenheit der Zweigstelle Buchheim mit ihrem Ortsteil verdeutlichten. Auch die Unterstützung der Sparkasse Köln Bonn an verschiedene Buchheimer Einrichtungen, wie zur 150 - Jahr – Feier der Schule Ahl Wipp, zeugen von der Ortsgebundenheit der Zweigstellenleitung. Für die Zusammenarbeit sei an dieser Stelle gedankt, in der Hoffnung, dass auch weiterhin die Sparkasse sich mit Buchheim verbunden fühlt.
Abb. 2 -Aufnahme 2018
Foto: G. Pröhl
Von 1965 bis 1976 gab es auch fahrbare Zweigstellen, die rechtsrheinische Haltestellen anfuhren. In Buchheim war eine Haltestelle im Bereich Wichheimer Straße / Stegwiese. Viele Buchheimer*innen hoffen, dass Buchheim mit einer mobilen Zweigstelle wieder bedacht wird.
[1] Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Mülheim am Rhein von 1901 bis 1907.
III. Verfassung, Verwaltung und Vertretung der Stadtgemeinde
4. Die Stadtverordneten – Versammlung und die Fachkommissionen.
[2] Antrag zur Errichtung einer Hauptzweigstelle, 1957
[3] Sparkassenbrunnen 1 / 1982 (März) mit freundlicher Genehmigung der
Sparkasse Köln Bonn
[4] Sparkassenbrunnen 5 / 1982 (November) mit freundlicher Genehmigung der
Sparkasse Köln Bonn
Geschichtswerkstatt Buchheim
Köln
Dr. Eder, Christian, Koßmann, Hans Joachim, Pröhl, Günter, Dr. Tröger, Gert
Druck:
Dünnwalder Buch- und Offset – Druckerei August Brathuhn GmbH
Odenthaler Straße 11, 51 069 Köln
Wir danken der Stadt Köln für die kostenlose Zurverfügungstellung der Pläne und Karten. „Datenquelle: Stadt Köln – offenedaten-koeln.de”
und „Datenquelle:
Stadt Köln CC BY 3.0“
Trotz größter Anstrengungen war es nicht immer möglich, die Rechteinhaber von allen Abbildungen im Buch
ausfindig zu machen. Wer aber meint, Rechte an einem oder mehreren der Bilder zu haben, möge sich bitte beim Autor melden.
Die Broschüre wird kostenlos verteilt. [So lange der Vorrat reicht. Spenden nehmen wir für unsere weitere Arbeit gerne
entnehmen.]
2020
Druck und die Herstellung mit finanzieller Unterstützung
von:
Hier die Darstellung in der Presse:
https://www.rheinische-anzeigenblaetter.de/muelheim/c-nachrichten/spannende-zeitreise_a208367